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Der mit Abstand aufregendste Text seit Beginn der Aufzeichnungen ist, keine Frage, dieser hier vom „Unsichtbaren Komitee“: Der kommende Aufstand (merci, Dr. Glunk, und nein, „irrational“ finde ich diese Frische nicht). Der Spiegel, dessen Lob allein dafür trotz allem wieder einmal zu singen wäre, hat in der Ausgabe 47 Auszüge veröffentlicht, in einer etwas schöneren Übersetzung, aber eben nur einige Stellen – und natürlich könnte man jetzt überprüfen, welche Stellen genau, und daraus eine geharnischte Kollegenkritik ableiten. Soll machen, wer Lust hat. Wir anderen werden diesen Text wieder und wieder lesen – und dann überlegen, was uns die Nachbarn noch alles beibringen können.
Nachtrag: Daniel Suarez hat mit seinen Büchern Daemon und Freedom TM die Drehbücher zu einer amerikanischen Variante des kommenden Aufstands geliefert – die “Kommunen” sind da halt schon bissl moderner: vernetzt, gell.
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Richtig: Die Hysterie in den Reaktionen. Jeff Jarvis (ja, der mit der Prostata) arbeitet in seinem Aufsatz Das deutsche Paradoxon die Unterschiede zwischen deutscher und amerikanischer Hysterie gut heraus: „… the Germans care deeply about the privacy of everything … except their private parts”, während seine Landsleute ohne Bedenken alle privaten Daten ins Netz stellen, aber ausflippen, wenn sie am Flughafen von Sicherheitsleuten abgetastet werden – schauen Sie sich dazu John Tyners “Fall” an – das ist der Typ, der den denkwürdigen Satz “Wenn Sie meine Kronjuwelen anfassen, lasse ich Sie verhaften!” prägte. Zu niedlich.
Nebenkriegsschauplatz: Obwohl sich schon zuvor jede Menge Frauen beschwert hatten, dass dieses neue, verschärfte „Abtasten“ für alle, die den Scan verweigern, von einigen Security-Typen als Freibrief für sexuelle Belästigung aufgefasst worden war, kam das Thema erst ins mediale Rollen, als sich e i n M a n n (eben dieser Tyner) beschwerte.
Für eine Neo-Feministin (Grüße an Dr. Glunk und Antje Schrupp) ist es allerdings unfassbar, wie leicht sich die Leute (ob m oder w oder irgendwas dazwischen) hüben wie drüben vom Eigentlichen ablenken lassen: So einfach gängelt man mit dieser absurden Angstmacherei die Bürger, die sich ihrer Bürgerrechte begeben für ein bisschen mehr gefühlte Sicherheit. Und: So leicht hetzt man mit ein bisschen medialer „Feminismus“-“Debatte“ sogar die nicht allzu dummen Männer und Frauen gegen einander auf… Nicht auszudenken, was die gemeinsam bewirken könnten, würden sie sich e i n Mal auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren. Ein naiver Traum, ich weiß. Naiver Träumer zu sein ist ein Sch…-Job, aber eine muss ihn ja machen.
Nachtrag: Hier gibt’s Auszüge aus dem Jarvis-Text auf Deutsch.
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Frei nach Larry Beinharts Roman „American Hero“ entstand der Film „Wag the Dog“. Zur Erinnerung:
Um eine politische Schieflage zu verschleiern, wird ein Fernseh-“Krieg“ inszeniert… klingelt da was? Wenn ich mir unseren Innenminister angesichts der aktuellen „Bedrohungslage“ („wir werden alle stöööörben“, würde fefe sagen) im globaliserten „Krieg gegen den Terror“ so anschaue, denke ich seltsamerweise nicht: oGottoGott, sollte ich jetzt vielleicht Schiss kriegen? Nein, ich denke: Wann ist nochmal die Ba-Wü-Wahl? Nächsten März, richtig? Na, bis dahin wird so ein Mappus seine ängstlichen Bürger schon davon überzeugt haben, dass wir mit Typen wie ihm doch viel sicherer leben können im schönen Deutschland. Und überhaupt, bei dieser ganzen Terrorismus-Gefahr ist es doch absolut alternativlos, dass hart durchgegriffen wird. Übrigens auch nach innen. Denn überlegen Sie mal: Protestierende Bürger – daraus könnte doch ganz schnell ‘ne neue RAF entstehen. Also praktisch Terroristen, gell. Solche Schlüsse zieht doch keiner, sagen Sie? Dann schauen Sie mal hier. Nein, ehrlich, Terror, Angst, Vorratsdatenspeicherung, was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?
Nachtrag: Lesen Sie zu dieser Frage bitte den ausführlichen Gastkommentar hier!
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Dazu der Gastkommentar von Verena Brack: Tanzen verboten – saufen erlaubt!
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Wäre einer in der Gegend aufgewachsen, wo der Weserkurier „Heimatzeitung“ ist, hegte der wahrscheinlich diesem Blatt gegenüber solche Gefühle. Für Uwe Johnsohn war es in der Wahlheimat Gesine Cresspahls die „alte Tante“ New York Times. Und für mich gibt es eben nichts Schöneres für einen müden Sonntagnachmittag als eine oder zwei Wochenendausgaben der – gedruckten – SZ. Da kann man sich über eine herrlich altmännerhafte Verteidigung des Fleischessens amüsieren oder über den milden Verriss von Sascha Lobos „Strohfeuer“. Man findet die rätselhafte Subheadline „Karl-Theodor zu Guttenberg ist das menschgewordene Stuttgart 21“ oder den schönen Satz: „`Ist das jetzt eher Punk oder doch ganz eindeutig eine Sexshow´, fragt gewohnt sabbernd am nächsten Tag die Bild-Zeitung.“ Man erfährt, dass auf Detroits Ruinengrundstücken jetzt Gemüse angebaut wird, und was Brian Eno über die Zukunft denkt. Ehrlich, mehr erwarte ich nicht von meiner Zeitung. Aber auch nicht weniger.
