365 x Deutschland


168. Das höchste Amt

Was mich am meisten nervt an diesem verkniffenen “Besser die Wahrheit” – Schwurbler: Seine Nähe zu den Evangelikalen. Dürfen Christen eigentlich lügen? Im Zusammenhang mit seiner ach so viel beachteten Islam-Äußerung habe ich mich bereits furchtbar über den Schafspelz des Christian “Pro Christ” Wulff aufgeregt. Seltsamerweise ist die Journaille schon damals nicht auf das Thema Fundamentalismus eingestiegen.



163. Schöne neue Welt der Selbstvermarktung

Vorläufiges CoverDiese ganze Ich-AG-Entwicklung ist richtig blöd, wenn eine/r zwar Talent zum Schreiben hat, aber keines dazu, sich selbst zu vermarkten. Ego-Branding heißt das auf Neudeutsch. Zum Glück verfüge ich über eine gewisse Großmäuligkeit, deswegen sind Sie hier. Zur Erinnerung: Dieses Web-Tagebuch, das sporadisch deutschen Alltag beobachtet und kommentiert, entstand aus Ärger (siehe Eintrag Nr.1) über die Verlagsbranche, die ihren Job inzwischen einfach grottenschlecht macht. Natürlich gibt es Ausnahmen. Nur: Ich lebe mit einem – in Intellektuellen-Kreisen wohlbekannten – Sachbuch-Autor, und selbst bei dessen Büchern, inzwischen sind es 14 oder 15, schielen die Damen und Herren Verleger/Lektoren jetzt auf „Publikumswirksamkeit“ und „Marktwert“, frei nach dem Motto „also, Vampir-Romane wären der Bringer“. So was Dämliches, wenn einer lieber über Joyce schreibt oder Balladen-Sammlungen herausgibt. Also bitte, tun Sie mir den Gefallen und „voten“ Sie wenigstens für mein Buch, wenn Sie einen facebook-Account haben. Voten heißt in diesem Fall: Auf den Link gehen und dort „Gefällt mir“ klicken. Danke sehr.



158. Am deutschen Wesen…

Gassigang gestern am Flüsschen: Ein älterer, noch recht strammer Herr in Badehose „arbeitet“ mit seinem Hund: Sitz, Platz, hol das Bällchen. Der Hund, ebenfalls ein älteres Semester, humpelt willig los und bricht, kaum hat er die Aufgaben erfüllt, erschöpft im Schatten zusammen. Es hat an die dreißig Grad, mein Hund und ich sehen der Plackerei relativ verständnislos zu. Auf meine Frage, warum er den Hund so fordere, antwortet der Mann: Nun, der sei zwar krank, aber er selbst würde sich doch viel abverlangen – da müsse der Hund eben auch „Leistung“ bringen… Endlich verstand ich, wie Merkel das meint in Bezug auf die Griechen, diese faulen Hunde: Unter dem Euro-Schutzschirm Im Schatten liegen, sich ausruhen, wie? Nix da.



153. Sloterdijks Rede zur Freiheit

Hat ja bissl gedauert, bis sie online war. Ich stell sie hier hin, um bei Gelegenheit anzuhören, was S. über die FDP und Stress sagt:



133. Sprachschund III oder: Das “Kreiswehrersatzamt”
4. Januar 2011, 15:21
Einsortiert unter: Deutschland, Ein ganzes Land braucht Therapie, Politik, SchwarzRotGold | Schlagwörter: ,

Wird 2011 hoffentlich ersatzlos gestrichen. Allein das Wort kann einen Menschen von Stil und Geschmack dazu veranlassen, die Heimat solcher Wortschöpfungen zu verlassen.



131. In eigener Sache: Relaunch

Fit bleiben!

Fit bleiben ist die Devise für 2011! (via)

Liebe Freunde dahingeplauderter Wutausbrüche, als ich hier vor über einem Jahr begann, einem gewissen Unmut über die Heimat Ausdruck zu verleihen (siehe Eintrag Nr. 1), hielt ich dieses Vorhaben für so randständig und unerheblich, dass mir die äußere Form relativ egal war. Innerhalb dieses kurzen Beobachtungszeitraums sind das soziale Klima in Deutschland noch frostiger, die Ansagen von „oben“ noch frecher und das allgemeine Lebensgefühl noch freudloser geworden. Und ich noch zorniger. Dazu schien plötzlich der alberne Titel des Blogs nicht mehr zu passen… Es heißt jetzt also 365 x Deutschland. Den Zusatz “ein Revolutionär muss das Gras wachsen hören” kann man in diesem Layout nicht lesen, so muss sich eben jeder selbst einen Reim auf den Rasen machen. Ich hoffe, Sie besuchen diese Seite weiterhin, und bedanke mich für Ihr Interesse.




117. Wir sind das Volk

Mit dem Volk ist es so eine Sache. Schon anlässlich der Bunzpräsidentenwahl wunderte ich mich über die verschiedenen Sorten „Volk“, die es anscheinend gibt. Volk, das Gauck lieber als Präsidenten gehabt hätte, und speziell bayrisches Volk, das keine Raucher in Kneipen duldet. Jetzt liest man viel über armes Volk, das gefälligst auf Alkohol und Kippen verzichten sollte. Oder schwäbisches Volk, das Stuttgart 21 nicht so ganz gut durchgeplant findet, und uniformiertes Volk, das recht rabiat gegen dieses Volk vorgeht. Über all dem Volk thronen Volksvertreter, die laut ZEIT geschickt verhindern, dass das Volk ein Wörtchen mitredet bei der Planung eines solchen Riesenprojekts. Weil, was versteht das Volk schon von Städteplanung und Arbeitsplatzbeschaffung, gell? Ich bitte Sie: Schüler! Rentner!! Hausfrauen!!! Um ein paar gefällte Bäume im Schlosspark ein Theater machen, das können die … Und nächsten Samstag geht schon wieder so ein Volk in München auf die Straße, und seinen Vertretern mitzuteilen, dass es eigentlich keine Atomkraftwerke mehr möchte, zumal die Sache mit der Endlagerung noch nicht wirklich gelöst ist. Aber billigen Strom will es, das Volk. Ja, wie soll das denn funktionieren, hm, Volk? Da wird man wieder ordentlich uniformiertes Volk hinschicken müssen, um bissl zu deeskalieren. Soll ja friedlich bleiben, das Volk. Da hat man ihnen die Einheit gekauft, und die Freiheit, Mario Barth bis zum Abwinken zu gucken, und sind sie zufrieden, die Leute? Nix. Überhaupt, der seit einiger Zeit zu beobachtende Trendsport „Ziviler Ungehorsamist doch eine saublöde Idee. Und wer war noch mal dieser Gandhi?

Oh, und schauen Sie sich zur Feier des Tages der Deutschen Einheit unbedingt diese witzige Arbeit des Stuttgarter Fotografen Heiko Hellwig an! Sie trägt den Titel „Wir sind das Volk – Virtuelle Menschenkette“. Der Tipp kam von Juliane Spitta, über Dr. Glunk.



114. Intersuff 2010
22. September 2010, 10:27
Einsortiert unter: Bücher, Deutschland, SchwarzRotGold | Schlagwörter: , , ,

Ähnlichen Kultcharakter wie das rheinische Jeckenspektakel genießt das Münchner Oktoberfest auf der Theresienwiese. Es gilt mit jährlich über sechs Millionen Besuchern als eines der größten Volksfeste der Welt, für das die Münchner Brauereien ein spezielles Bier namens Wiesn Märzen mit mehr Stammwürze und damit auch höherem Alkoholgehalt (6 bis 7 Prozent) herstellen. (…) Außer dem Oktoberfest, das bei vielen Touristen den Ruf genießt, man müsse es unbedingt erlebt haben, veranstalten die Deutschen jede Menge Feste, in den Städten zum Beispiel Volks- und Straßenfeste, in den Gemeinde Winzerfeste mit Weinkönigin, Schützenfeste mit Schützenkönig/-in (…). Ähnlich wie beim Sonntagsgottesdienst ist die Teilnahme an den Festivitäten vielerorts unausgesprochene gesellschaftliche Pflicht – gerade für neu Zugezogene, wollen sie nicht als arrogant, verschroben oder sogar ‘verdächtig’ eingestuft werden.“

Thomas Wieczorek Einigkeit und Recht und Doofheit – Warum wir längst keine Dichter und Denker mehr sind (Knaur)



110. Der hässliche Deutsche
12. September 2010, 16:10
Einsortiert unter: Deutschland, Kultur, SchwarzRotGold, Was fehlt uns denn? | Schlagwörter: , , ,

Der junge Herr von Leitner nennt in seinem engagierten und für deutsche Verhältnisse höchst unterhaltsamen Empörungs-Blog den Spiegel gern das „ehemalige Nachrichtenmagazin“. Das ist lustig und entlarvend. Nur: Wo nähme fefe seine Trouvaillen her, gäbe es nicht die Mainstream-Medien samt ihrem Recherche-Apparat, den (bezahlten) Journalisten und Satirikern… beim ZDF zum Beispiel, in der heute-Show, hat er diesen Schnipsel gefunden:

Und in Ausgabe 34/2010 des oben erwähnten und sicher oft zu Recht gescholtenen Print-Magazins ist folgende Abbildung abgedruckt (zum Vergrößern draufklicken):

Ojeoje. Günther Jauch! Jogi Löw! Schweini! Zensursula! Ich-bin-dann-mal-weg-Hape! Heidi Klum…. Dieser schnauzbärtige Wichtigtuer mit dem ausländisch (!) klingenden Namen, der sich solche Sorgen darum macht, dass Deutschland sich selbst abschaffen könnte, wähnt sich wohl immer noch im Land der Dichter und Denker. Das war v o r der Hitlerei, Alterchen. Da gab’s tatsächlich mal die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller, da ging Humboldt im Berliner Salon von Rahel Varnhagen ein und aus (naja, die war Jüdin, das ist vielleicht ein blödes Beispiel). Aber heute? Neiiin, Ackermann beim Abendessen mit Merkel zähle ich nicht zu den kulturellen Highlights. Man sollte sich diese Aufstellung von aktuellen Vertretern unserer Leitkultur lange und genau anschauen und dann ehrlich antworten: Wär’s wirklich sooo schade um d i e s e s Deutschland? Ich frage ja nur.



102. Sprachschund II

Die Verhunz-Akrobaten sind ü b e r a l l. Gerade las ich auf dem angeberisch außen angebrachten Ersatzrad eines dieser grässlichen Möchtegern-Allrad-Fun-Vehikel: Nicht’s ist unmöglich. Oh bitte. Kann mal jemand rasch die Stilpolizei bei Textguerilla benachrichtigen?

Nachtrag: Der ultimative Buchtipp – „The Great Typo Hunt“ von Jeff Deck & Benjamin D. Herson – zum großen Themenkreis „ärgerliche Rechtschreibfehler und scheußlich-schöne Stilblüten“ kommt von einer Schwester im Geiste. Großartig




Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 25 other followers