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Habe die ersten Kapitel meines neuen Buchprojekts vorgestellt und danke für die Erwähnung. Kollegenlob freut immer.
Wohin mit Oma? – Ein wunderbares Projekt von Inge Zumbach und Eva Herold-Münzer.
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Wie ehrlich können Memoiren sein? Gerade habe ich welche gelesen, die mir zumindest die 1960er-Jahre ff. und den Deutschen Herbst erklären, eine Zeit, in der ich die entscheidenden Jahre zu jung war, um sie wirklich zu verstehen: Die Zwillinge oder Vom Versuch, Geist und Geld zu küssen. Zwei Schwestern aus der Provinz, die Bob Dylan, den Kommunismus und Rainer Langhans toll und ihrem Weg aus dem miefigen Kassel in die weite Welt fanden – wen soll das interessieren, fragen Sie? Oh, bei den Schwestern handelt es sich um Gisela Getty und Jutta Winkelmann (genau: die Zwillinge, die jetzt, als freundliche ältere Damen, wieder oder immer noch um jenen notorischen Kommunarden kreisen, der kurzfristig zur Ikone der Schuhwerbung auf- und zwischendurch ins Dschungelcamp abgestiegen war). Diese Langhans’sche Kurve scheint mir bezeichnend. Denn wie die Zwillinge sich und ihre Zeit erlebt haben, spricht – vom Co-Autor Jamal Tuschik („Aufbrechende Paare“) einfühlsam in Form gebracht – von der Hoffnung auf ein anderes Deutschland, eine andere Art zu leben, zu lieben und zu arbeiten. Selten habe ich diese Hoffnung so unzynisch, so unverblümt, mit so wenig theoretischem Über- oder Unterbau, so vorpsychologisch, so w e i b l i c h erzählt bekommen. (Jaja, ich höre das Aufheulen meiner feministischen Freundinnen bis hierher.) Und was, bitte, ist aus dieser verträumt antikapitalistischen Blumenkinder-Summer of Love-cum-Frauenbefreiung (vulgo: mehr oder weniger besinnungsloses Herumvögeln) -Hoffnung nun geworden? In der aktuellen ZEIT seufzt Ursula März auf Seite 49 erschöpft: „Lasst mich in Ruhe! – Warum ich die ständigen Debatten über die gesellschaftliche Rolle der Frau nicht länger ertrage“. Vielleicht hatte März ein ähnliches – weibliches – Lebensgefühl vor Augen wie jenes, das die Zwillinge in ihren unverkopften (manche würden sagen: arg naiven) Memoiren in die Gegenwart transportieren, so ehrlich sie’s eben können. Nach dieser Lektüre möchte ich mich sofort dem Vorschlag der Ursula März am Ende ihres ZEIT-Artikels anschließen: „ein Redemoratorium von, sagen wir, zwei Jahren. Mal zwei Jahre lang kein Gerede über Frauenrollen und Frauenleben. Zwei Jahre nichts als Ruhe und zur Ruhe kommen. Der Vorstandsvorsitz der deutschen Bank und die Herausgeberschaft der FAZ laufen uns dabei nicht weg.“ Ach: versuchen wir tasächlich immer noch, Geist und Geld zu küssen? Anscheinend ja, allerdings macht das Leben in Deutschland, so wie es heute ist, (nicht nur) Frauen zu gehetzten, überforderten, aggressiven Wesen, denen nur die milde Reminiszenz des TV-Werbespots eine Ahnung vermittelt vom Sich-treiben-lassen, von der Sehnsucht nach Aufbruch…
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Regisseurs-Sohn Lynch nutzt Papas Namen und Verbindungen (Mercedes als Sponsor, da kann der Normalkreative nur davon träumen!) für sein Interviewprojekt Germany. Muss deshalb nicht schlecht sein. (Anschauen)
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Das wussten Sie natürlich längst, dass vor unserer Haustür auch solche Löcher gebohrt werden. Oder wie, dachten Sie, fördern z. B. die Norweger ihr Öl? (Adbusting gefunden bei Konsumpf)
Wobei es, global gesehen, überhaupt nicht darauf ankommt, von wo aus wir die Ozeane versiffen. Was man spätestens dann kapieren wird, wenn die Vögel, Fische, Meeressäuger, Korallen und das ganze Plankton-Zeugs weltweit abnippeln.
Nachtrag: Ölteppiche in der Nordsee (über fefe, Sun Jul 11 2010)
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An der Volksbühne Berlin gab’s am Wochenende vom 9. – 11. 04. 2010 Theater mal anders: “Attac – Zivilgesellschaftliches Bankentribunal” hieß das „Stück“, über das ich einen kurzen Schnipsel bei Kulturzeit erhaschte. Eigenartig, dass man vorher nichts davon gehört hatte und auch danach in den etablierten Medien kaum etwas darüber fand . Dabei war’s sicher lustig und informativ, wie dieser „Kurzfilm zur Beweisaufnahme“ zeigt:
Da hat die Pressearbeit wohl wieder nur die üblichen Verdächtigen erreicht. Immerhin, als regelmäßiger Leser der NachDenkSeiten wäre man informiert gewesen. Ich sag’s ungern, aber damit gebe ich heute mal selbst ein hübsches Beispiel ab für journalistische (Denk-)Faulheit in Deutschland.
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Also sprach Ben Tellings, Chef der Direktbank ING-Diba, der ab 2011 „nur noch“ Aufsichtsratsvorsitzender seines Instituts sein will, im Spiegel (7/2010, S. 73):
„Tellings: (…) Die meisten Menschen wollen und brauchen doch auch viel simplere Produkte.
Spiegel: Zum Beispiel?
Tellings: Ein Girokonto, ein Sparbuch und vielleicht noch einen Konsumenten- oder Immobilienkredit. Eigentlich sind wir Banker doch Treuhänder des Vermögens unserer Kunden.“ (Hervorhebungen von mir.)
Echt jetzt? Hab ich irgendwo schon mal gelesen. Ach was, ich hab es selbst geschrieben: im Eintrag Nr. 32. Und ich war nicht 25 Jahre „im Bankgewerbe aktiv“ wie Herr Tellings. Sowas. In Fernsehspots wirbt übrigens eine neue Direktbank (wahrscheinlich eine Tochter eines der üblichen Über-denTisch-Zieher-Institute) jetzt mit genau diesen drei „Produkten“. Wenn ich das schon höre: Produkte. Das muss man den Anzugtypen mal e r k l ä r e n: dass sie nichts herstellen. (Außer wertloses Geld.) Und was wäre denn so ehrenrührig daran, einfach nur Dienstleister zu heißen?
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Da lobe ich 3sat für die nette Idee, eine amerikanische Kultserie ins Programm zu heben, schon macht Kulturzeit wieder alles kaputt und zeigt die dunkle Seite des US-Kapitalismus – in einem Beitrag von Dominique Gradenwitz über das neueste Geschäftsmodell Journalismus „on demand“. Das funktioniert ungefähr so: Jemand hat eine Firma, die Kekse herstellt und bestellt nun bei Demand Media einen Ratgeber-Beitrag zum Thema Kekse. Ein chices kleines Video, hergestellt zu Hungerlöhnen von einem Kameramann, einem “Redakteur” und einer Art Schlussredakteur (heißt hier „Faktenprüfer“ und bekommt einen Dollar pro Beitrag) wird ins Internet gestellt. Billige Werbung. Aber wieso nennen die das „Journalismus“? Und: Ist das auch in Deutschland die Zukunft dieses Berufsstandes? Weil doch alles über den Teich zu uns schwappt, vom Diät- bis zum Sicherheitswahn? Jetzt aber mal halblang. Solange man sich hierzulande noch über gekaufte Blogger-Produktbewertungen aufregt und ein Advertorial von einem redaktionellen Beitrag unterscheiden kann, ist unsere Welt doch in Ordnung. Oder?
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Mit diesem genialen – und universell anwendbaren – Slogan wirbt der „Circus Krone“ auf Plakatwänden für seine drei Winterprogramme. Selbst wenn einer Clowns und dressierten Tieren, schwitzenden Trapezakrobaten und Jongleuren mit angestrengtem Lächeln nichts abgewinnen kann: Dieses redliche Ringen um die „Gunst“ (was für ein schönes deutsches Wort! Wird leider fast nur noch in der möchtegern-ironischen Kombiform „Gunstgewerbe“ verwendet) des werten Publikums ist so rührend retro, dass man richtig nostalgisch werden könnte in Zeiten des „Social Marketing“. Bei dieser modischen Neuauflage der guten alten Mund-Propaganda könnte ich mir als Zirkusdirektor mal rasch ein paar Hundert getürkte Follower bei Twitter generieren lassen (die geben dann zufriedene Zirkusbesucher) – und müsste mich nicht einmal schämen, wenn man mir draufkäme, denn Hauptsache, einer beschreitet „neue Wege“ in der Werbung, gell. Wobei die SZ mit gekauften Bloggerstimmen für ihre App gerade ein bissl auf den Bauch gefallen ist (hier erfahren Sie alles über dieses Entrüstungs-Stürmchen im Öffentlichkeitsarbeiter-Wassergläschen). App, App & Away… an manchen Tagen nervt die eigene Branche einfach tierisch.
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„Ich beneide religiöse Menschen um ihren Glauben und ärgere mich gleichzeitig darüber. Untersuchungen haben ergeben, dass ihre Chancen zum Glücklichsein besser stehen als die jener, die ausschließlich säkularen Glaubenssätzen anhängen. In jedem Leben gibt es Trauer, Leid und Enttäuschung, und all das nimmt man viel leichter hin, wenn man an ein nächstes Leben glaubt, das einen für die Unvollkommenheiten und Ungerechtigkeiten in diesem entschädigt; auch der Vorgang des Sterbens ist dadurch ein weitaus weniger deprimierender Ausblick. Deshalb beneide ich religiös Gläubige. Natürlich gibt es keine gesicherten Grundlagen für ihren Glauben, aber darauf darf man nicht hinweisen, ohne für unhöflich, aggressiv und respektlos gehalten zu werden und sich den Vorwurf einzuhandeln, man neide ihnen ihr Recht auf Glück“, schreibt David Lodge in „Wie bitte?“ (Blessing, dt. von Renate Orth-Guttmann).
Nachdem der Dawkins-Boom in den Medien abgeflaut ist, vermisse ich diesen albernen Streit doch ein wenig. Wie war das ulkig, als die Fundamentalisten der einen wie der anderen Seite mit ihren Werbe-Bussen ganz ernsthaft gegeneinander ins Gefecht zogen, und sich die Leute tatsächlich darüber aufregten. (Das war vor der Kirchenaustritts-Welle nach den aufgedeckten Missbrauchsfällen. Ab da wurde die Erregung verständlicherweise bissl unlustig.) Ich fand den modischen „Glaubenskrieg“ in Form von Ambient Marketing viel amüsanter. Die netteste Variante des Mottos der “säkularen Humanisten” (kann man eigentlich Religionen “verteufeln”? Interessante sprachwissenschaftliche Überlegung) entdeckte ich seinerzeit hier: „Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein tschechischer Schlagersänger. Entspann dich, er wird dir nichts tun“.

