365 x Deutschland


182. Deutschland, hör auf deine alten Säcke II

Da jammere ich immer, dass wir keinen Leonard Cohen haben, keinen Bob Dylan, noch nicht mal einen Bruce Springsteen. Gibt’s denn bei uns wirklich keine guten alten Männer? Schnell, wer fällt Euch da ein? Muss ja kein Popstar sein … den Gauck hielt ich mal für eine Option, der hat allerdings inzwischen viel Schmarrn geredet. Gut, wir haben immerhin noch den Raucher. (Und Rauchen ist, wie jeder weiß, in gewissen Zusammenhängen – und gerade im Fernsehen – sogar eine künstlerische Handlung, ganz gleich, wie oft sich die Anti-Raucher-Nazis darüber beschweren. Aber vor allem haben wir den ganz großartigen Alexander Kluge. Der ist ein echter Popstar, auf seine Weise.

 



181. Stimmt gar nicht, dass ihn keiner mag

Irgendwie findet eine vielbeschäftigte Frau ja nie die Zeit, sich bei diesen Jahrmärkten des gesponserten Geschwätzes einzufinden, deshalb danke ich Spiegel online für das Bereitstellen von Sascha Lobos Vortrag auf der re:publica 2012. Also, ich mag Lobo, so halb. Der selbstrückbezüglich-Bindestrich-ironisierende Habitus nervt, zugegeben. Auch das Lispeln. Dennoch: Sollte der Mann jemals lernen, seine Gedanken auf Ted-Format (18 Minuten) zu verdichten, würden ihm manche, die ihn jetzt als eine Art Bonsai-Sloterdijk 2.0 abtun, vielleicht aufmerksamer zuhören.

Teil 1

Schon ermüdend, nicht wahr? Egal. Hier der Rest zum später Angucken:

Teil 2




180. Von den Isländern lernen II

Obwohl ein YouTube-Kommentator sagt: “I am icelandic and live in Iceland and i want to tell everyone that this is not true, a certain type of loans and their terms was corrected through the justice system but the public is basicly stillstruggling with the money fascists and secret societys. But not for long ;) “, klingt es doch wie ein Schritt in die richtige Richtung. (Siehe auch Beitrag 125):



179. Kein Wort mehr zu dem alten Mann und seiner letzten Tinte

Pic: Kai Taschner

Pic: Kai Taschner.

Ist ja auch alles gesagt, z. B. hier oder hier. Das hysterische Aufeinandereindreschen von Meinungsinhabern innerhalb und außerhalb des Feuilletons, das in Deutschland die Debattenkultur ersetzt, nervt einfach nur noch. Viel lieber empfehle ich das sehr persönliche Vorwort zum neuen Buch von Linda Benedikt: Israel, a love that was – Die Geschichte einer Entzauberung“, Aphorisma Verlag/Kreuzberg, Berlin. 



176. Deutschland, ein Wintermärchen

Als gestern die Heizung ausfiel – oh, toll, das Thermometer zeigt zehn Miese und es ist Freitag – und die Bude hübsch auskühlte, fand ich während des Wartens auf den Monteur diesen Text der Kollegin Heike Pohl: Eine herzerwärmende Wintergeschichte.



174. Braun II, oder: Wie wird eine deutsche Frau zur Neo-Nazisse?

Bereits eine meiner ersten Kolumnen in der GAZETTE beschäftigte sich mit weiblichen Nazis  – und  ich kapiere heute so wenig wie damals, dass es nach dem Holocaust überhaupt noch Nazis gibt. Am allerwenigsten verstehe ich, wie Frauen da mitmachen konnten/können. Das ist natürlich ein Vorurteil, deshalb höre ich meiner Schwiegermutter (86) sehr genau zu, wenn sie erzählt, wie das damals war, wenn man nicht zu den Gruppenabenden wollte. Und ich weiß auch, dass es KZ-Wärterinnen gab, und flammende Hitler-Verehrerinnen aus den besten Kreisen, darunter übrigens Coco Chanel und Wallis Simpson, die heute noch von politisch unbeleckten Modefuzzis als Stil-Ikonen gefeiert werden. Ulrike Heidenreich hat in der Süddeutschen Zeitung vom 21./22. Januar 2012 einen aufschlussreichen Artikel über Nazissen veröffentlicht, den ich online nicht gefunden habe und deshalb hierher kopiere :

SZ Januar 2012 I
SZ Teil 2

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken. Die Qualität lässt zu wünschen übrig, das bitte ich zu entschuldigen. Versuchen Sie dennoch, diese Analyse zu lesen, denn das Thema ist wichtig: Die verkorksten Gören in Springerstiefeln von vor zehn Jahren sind inzwischen in der “Mitte der Gesellschaft” angekommen”. Es leben ja nur noch wenige Zeitzeugen, die den jungen Frauen im O-Ton, so von Mensch zu Mensch, verständlich machen könnten, was sich aus derlei Gedankengut entwickelt; meine Schwiegermutter zum Beispiel, oder Marcel Reich-Ranicki. Hier seine Rede vor dem Bundestag im Wortlaut. Ist es wirklich das, was diese Weiber mit ihrer Deutschtümelei erreichen wollen?

Nachtrag: Heike Pohl empfahl mir diesen Link – hier wird so eine braune Übermutter vorgestellt. Interessante Lektüre.



171. Nachruf auf eine deutsche Radio-Sendung

Seine Stimme begleitete mich seit meiner Kindheit – aber ich hatte bis heute noch nie ein Foto von ihm gesehen. Hier sind viele. Und jetzt ist die “Sonntagsbeilage” weg – die Sendung, die mir Michael Skasa zum Inbegriff des spitzfindigen Radio-Feuilletonisten werden ließ: Die Sonntagsbeilage in Byern 2. Unangepasst und profund gebildet, hochmusikalisch, frech und professionell. Mei, schad. Alles Gute zum 70., Herr Skasa. And may you stay forever young.

Michael Skasa



170. Das höchste Amt II, oder: Doch mehr als eine Provinzposse?

Jay Rosens pressthink denkt hier über den Geist der Demokratie in der Medienmaschine nach. Und aktuell über die Stammesrituale der Politik-“Journalisten“/-“Berater“; da verschwimmt ja mittlerweile einiges. (Die Links habe ich übrigens von Jürgen Kalwa, danke sehr.)
Davon abgesehen: Unser Bunzpräsident hat seine neue Rolle – die in etwa der englischen Königin entspricht – leider nicht verstanden, wie im TV-Interview vom 4. 1. 2012 (hier der Wortlaut) schon bissl deutlich wird: „Wenn man als Ministerpräsident keine Freunde mehr haben darf und wenn alle Politikerinnen und Politiker in Deutschland ab sofort nicht mehr bei Freunden übernachten dürfen, sondern, wenn Sie bei den Freunden im Gästezimmer übernachten, nach einer Rechnung verlangen müssen, dann verändert sich die Republik zum Negativen. Davon bin ich fest überzeugt. Und deswegen stehe ich zu diesen sechs Urlauben bei Freunden auf Norderney oder fünf, sechs Tage dort in Italien oder sieben Tage bei Freunden, mit den Freunden zusammen zu kochen, zu frühstücken, im Gästezimmer zu schlafen. Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen.“ Herzchen, die Queen kann auch nicht bei einen x-beliebigen Unternehmer übernachten. Und falls sie’s tut, darf sie sich nicht dabei erwischen lassen. Auf jeden Fall sollte es tunlichst nicht im britischen Äquivalent der BLÖD-Zeitung stehen. So hirnverbrannt wäre Lizzie nie gewesen, auf Murdochs AB zu schimpfen und ihm die Freundschaft zu kündigen. Aber sie ist ja auch auf ihr Amt hin erzogen worden… doch selbst eine prima Erziehung scheint in Deutschland nix zu helfen, wenn man sich mal KT „ich komme wieder, keine Frage“ Guttenbergs Medienstrategie anschaut. So gesehen wirft das Verhalten unserer „Staatsdiener“ in der Tat Fragen auf, die über das Abhaken unter „Provinzposse“ hinausgehen.

Siehe auch 168. Das höchste Amt



163. Schöne neue Welt der Selbstvermarktung

Vorläufiges CoverDiese ganze Ich-AG-Entwicklung ist richtig blöd, wenn eine/r zwar Talent zum Schreiben hat, aber keines dazu, sich selbst zu vermarkten. Ego-Branding heißt das auf Neudeutsch. Zum Glück verfüge ich über eine gewisse Großmäuligkeit, deswegen sind Sie hier. Zur Erinnerung: Dieses Web-Tagebuch, das sporadisch deutschen Alltag beobachtet und kommentiert, entstand aus Ärger (siehe Eintrag Nr.1) über die Verlagsbranche, die ihren Job inzwischen einfach grottenschlecht macht. Natürlich gibt es Ausnahmen. Nur: Ich lebe mit einem – in Intellektuellen-Kreisen wohlbekannten – Sachbuch-Autor, und selbst bei dessen Büchern, inzwischen sind es 14 oder 15, schielen die Damen und Herren Verleger/Lektoren jetzt auf „Publikumswirksamkeit“ und „Marktwert“, frei nach dem Motto „also, Vampir-Romane wären der Bringer“. So was Dämliches, wenn einer lieber über Joyce schreibt oder Balladen-Sammlungen herausgibt. Also bitte, tun Sie mir den Gefallen und „voten“ Sie wenigstens für mein Buch, wenn Sie einen facebook-Account haben. Voten heißt in diesem Fall: Auf den Link gehen und dort „Gefällt mir“ klicken. Danke sehr.



159. Nachtrag zu Nr. 151

Update: Leander Wattig machte unlängst auf diesen Beitrag in der Welt aufmerksam: Unsere Verwandtschaft mit den Engländern ist ja nicht nur auf den Adel beschränkt.




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