365 x Deutschland


1. 365 x Nachdenken über die Heimat

Da hatte ich also dieses Buch geschrieben, über das Unbehagen an Deutschland, wie ich es erlebe.

Der Feuilletonchef einer großen süddeutschen Boulevardzeitung las das Manuskript, schmiss sich weg vor Vergnügen und schenkte mir den griffigen Titel ICH WILL HIER WEG, ABER WOHIN? Es handelt sich um ein Lexikon der alltäglichen deutschen – und wenn wir schon dabei sind, überhaupt – Ärgernisse. Meine Agentin war ganz sicher, es rasch und gewinnbringend verkaufen zu können, weil hier einfach jemand sagt, wie es ist.

„Gut geschrieben, aber inhaltlich knapp über Stammtisch-Niveau“, wie mein böswilliger Erstleser anmerkte. Worauf ich nur erwiderte, das sei doch perfekt, dann fühle sich wenigstens niemand überfordert. Von wegen. Die Lektor(inn)en einiger großer Verlage finden das Buch „verunsichernd“ und „nicht lustig genug“, möchten eher etwas in Richtung Hirschhausen („Glück kommt selten allein“) – ein fürchterliches Missverständnis, denn ich wollte überhaupt nichts Lustiges schreiben (wobei ich zugebe: Leute, die sich aufregen, wirken natürlich komisch auf ihre Mitmenschen), und auch nichts, das irgendjemand glücklich macht.

Meine Enttäuschung über die Absage dieser zwei, drei Großverleger verwandelte sich zunächst in Ärger und dann in Nachdenklickeit: Was ist los mit Deutschland? Werden hier wirklich nur noch Promi-Biografien und Eso-Ergüsse von Promis gelesen? Das glaub ich jetzt nicht. Und ich werde beweisen, dass es nicht stimmt. Ich werde noch genauer hinschauen, werde nachdenken über Deutschland, 365 x. Und dann schauen wir mal.

Update: Ein Jahr lang hieß diese Seite TÄGLICH SEX MINUTEN DEUTSCHLAND. Ich hatte auf zusätzliche Klicks von Mitbürgern gehofft, die zwar im Netz etwas anderes suchen, die Nachrichten aus der Heimat aber auch ganz anregend finden. Blöder Anfängerfehler, ganz typisch für Werbeleute. Immerhin fand ich eine kleine, feine Leserschaft, lernte ich eine Menge interessante Figuren und ein paar Aggro-Spinner kennen. Jetzt bringe ich das Manuskript via Social Networking unter die Leute. Wenn Sie sich also mal die Facebook-Seite anschauen: So macht man das heute.

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