365 x Deutschland


14. Sprach-Schund
30. November 2009, 04:06
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Natürlich lasse ich mich auch immer wieder bei schlampigem Deutsch erwischen. Aber andere dabei zu ertappen macht mehr Freude, und sprachliche Manierismen von ihrer Geburt an zu beobachten, ist einfach eine spannende Sache: Zuerst sagten ein paar junge, schnelle Kerlchen aus der Angestellten- und Medienwelt jedes Mal „da muss ich mich erst schlau machen“, wenn sie eine Frage nicht gleich beantworten konnten. Neulich im Interview zu seinem neuen Retorten-Bestseller „Limit“ (erschienen bei Kiepenheuer & Witsch) sprach Frank Schätzing davon, dass er sich zum Thema Weltraumfahrt natürlich erst mal hätte „aufschlauen“ müssen. Böse Falle, in die er – ehemaliger Werber, manches kriegt man einfach nie wieder los – da reingetappt ist. Denn diese Formulierung verwenden nur Deppen. Sie leitet sich vom amerikanischen Slang-Ausdruck „to wise up“ her und passt dort sicher in den einen oder anderen gesellschaftlichen Zusammenhang (ich kenne eigentlich nur hartgesottene Krimi-Detektive, die so reden). In Deutschland jedoch ist sie ein Unterschichts-Marker und bietet jenen Mitmenschen einen modischen Ausweg, die den Begriff „Recherchieren“ nicht kennen oder nicht aussprechen können. Allen anderen muss man unterstellen, sie wollten sich mit Hilfe der Wortschöpfung „aufschlauen“ anbiedern – beim Gegenüber, beim Publikum, bei den „jungen Leuten“. Oder vielleicht möchten sie auch einfach nur „witzisch ‚rüberkommen“. Ach.



13. Von der Schweiz lernen

Ich denke immer noch über Geld nach… Eigenartig, dass sich ausgerechnet im Kernland des globalisierten Geldgeschäfts eine Art genossenschaftlich geführter Tauschring erfolgreich etablieren konnte: Die „Wir“-Bank ist inzwischen so groß, dass man sogar Eigentumswohnungen mit „Wir“-Geld bezahlen kann. Man könne eigentlich alles mit diesem alternativen Zahlungsmittel berappen, bemerkte ein Mitglied, außer Steuern. Und selbst die würden die Gemeinden in „Wir“ annehmen, wenn sie nichts anderes in die Finger bekämen… Was mich wundert: Dass die „normalen“ Schweizer Banker diese Komplementär-Währung zulassen. In Wörgl beendete die Österreichische Nationalbank das Freigeld-Experiment des Michael Unterguggenberger 1933 per Gerichtsbeschluss und unter Androhung von Gewalt. Das sogenannte „Wunder von Wörgl“ hatte der damalige Bürgermeister U. bewirkt, indem er Ideen aus der Freiwirtschaftslehre des Silvio Gesell aufgegriffen hatte. Fragt man einen Volks- oder Betriebswirtschaftler heute nach diesem Namen, erntet man Schulterzucken: nie gehört! Wahrscheinlich irgend so ein kommunistischer Unsinn! Was haben die eigentlich gelernt in ihrem Studium?? Da sollten die sich aber schleunigst „aufschlauen“ (danke, Frank Schätzing).



12. Nachdenken über Geld

Noch nicht einmal meine versprochenen sechs Minuten schaffe ich, weil ich jeden Tag damit beschäftigt bin, Geld heranzuschaffen für die banalen Sachzwänge. Klar ich will schreiben, aber ich will auch essen und ein Dach über’m Kopf haben. Also schreibe ich erst mal für Geld; zum Nachdenken über Deutschland bin ich danach zu müde. Gut ausgedacht, das System: Erschöpfte Bürger halten still. Immerhin ist es dem Grimme-Preisträger Claus Strigel mit seiner Doku „Der Schein trügt“ (hier ein Auschnitt) endlich gelungen, mir zu erklären, was genau Geld ist, warum das globale monopolistische Geldsystem uns in diese „Finanzkrise“ stürzen konnte, und wie man es mit Tauschsystemen, alternativen Währungen oder einem ganz anderen Wirtschaftssystem besser machen könnte. Übrigens: 2006, mitten im deutschen „Sommermärchen“, als König Fussball regierte, dachte ich schon einmal über das Thema nach. Krähte natürlich kein Hahn danach, damals. Grundeinkommen



11. Von den Amis lernen
15. November 2009, 00:26
Filed under: Deine Tiere, Deutschland, Was fehlt uns denn? | Schlagwörter: , , ,

Tierschutz mal anders: Sind diese Jungs nicht hinreißend? In Deutschland ist das Retten-von-armen-Viechern-und-neue-Halter-für-sie-finden fest in Frauenhand. Die Vorsitzenden der meisten Verbände sind allerdings Männer, warum sollte das hier anders sein als in allen übrigen gesellschaftlichen Bereichen. Man kann natürlich bei vielen militanten Tierschützern, unabhängig vom Geschlecht, ganz vortrefflich die verschiedensten – menschlichen – Persönlichkeitsstörungen studieren, vom zwanghaften Wichtigtuer bis zum Borderline-Vereinsmeier.  Komischerweise  sind dagegen die meisten Vegetarier depressiv. Wär doch mal ein hübsches Thema für eine Dissertation. Wer an weiterführender Lektüre zum Thema Haustiere – Nutztiere interessiert ist:  Wir haben sie halt zum Fressen gern!



10. Was uns fehlt

Hören Sie sich das mal an… äh, Moment, gehen Sie bitte selbst auf youtube, denn die dämlichen Anzugträger der Warner Music Group haben den Daumen auf dem Konzertausschnitt, den ich hier zeigen wollte: Fred Knittle und der Young@Heart-Chor interpretieren den Coldplay-Song „Fix You„. Sicher eine der besten Cover-Versionen überhaupt. (Und wer, liebe WMG, würde geschädigt, wenn sich ein paar Fans mehr die Nummer anhörten? Wird jemand damit ein einträgliches Geschäft machen? Ach, was reg ich mich auf, Wirtschaft ist nun mal Wahnsinn).  Worauf ich eigentlich hinweisen wollte: Diese Art alte Leute gibt’s nicht bei uns, und wir alle wissen, warum – viele wurden von den Nazis umgebracht, der Rest vertrieben. Übrig geblieben sind die, denen man das Singen ein für alle Mal ausgetrieben hat. Und natürlich all jene, die „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ nach wie vor für die Krone deutschen Liedguts halten und im Grunde ihres Herzens immer noch glauben, dass „nicht alles schlecht“ war in den 12 Jahren des „Tausendjährigen Reichs“. Ein Jammer. So, please welcome The Young at Heart-Chorus, featuring The Boss



9. Jetzt bringen sich schon die Sportler um

Ach. Betroffenheitsnoten von allen Organen, die sich bemüßigt fühlen, zum Selbstmord des Fussballstars ihren Senf zu geben. Ich denke natürlich weiter: Dieser junge Mann, er ruhe in Frieden, ist ein M ä r t y r e r. Also, seid traurig, aber dann: werdet wütend! Denn sein Freitod wirft ein düsteres Licht auf Deutschland – ein Land, in dem seelisch Leidende, so sie in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind und eine Therapie in Anspruch nehmen, ihre Kasse nie mehr wechseln können (anderen Informationen zufolge erst nach 10 Jahren). Denn keine andere wird sie gern wieder versichern (das erfuhr, hintenrum natürlich, sowas sagt dir keiner ins Gesicht, eine Freundin, als sie nach dem Grund fragte, warum ihr Aufnahmeantrag bei der gewünschten Institution abgelehnt worden sei). Nun wär’s ja gut, wenn ein Depressiver sich in Therapie begäbe; womöglich, wahrscheinlich – und wenn er die richtigen Tabletten kriegt/die richtigen Therapeuten findet, sogar ziemlich sicher – könnte ihm geholfen werden. Wenn er aber weiß, was es für Folgen hat, falls bekannt wird, dass er Hilfe braucht, wird’s ihm gleich noch dunkler ums Gemüt. Der Nationaltorwart befürchtete ja nicht zu Unrecht, dass er seine Sponsorenverträge verlieren würde, käme seine seelische Verfassung ans Licht – eine andere meiner Freundinnen wurde erst gar nicht angestellt, nachdem der prospektive Arbeitgeber, auf welchen Wegen auch immer, von ihrer nicht weit zurückliegenden Angsterkrankung Kenntnis erhalten hatte… Und wenn ich so überlege, fällt mir auf, dass ich viele solche Geschichten kenne und nicht e i n e Familie, in der nicht mindestens eine/r schon einmal psychisch erkrankt ist. Hut ab also vor dem prominenten Selbstmörder! Er ist zu bekannt, zu „erfolgreich“, als dass man seine Verzeiflungstat abtun könnte als „individuelles Schicksal“. Nix da. Macht kaputt, was euch kaputt macht! Zerschlagt die mafiösen Strukturen der Krankenkassen! Fordert ein menschenwürdiges Gesundheitssystem! So. Nachdem ich hier hoffentlich ausreichend Schlüsselwörter untergebracht habe, um irgendwo ein paar blinkende Fähnchen erscheinen zu lassen, beschließe ich meine täglichen 6 Minuten Nachdenken über die Heimat mit einem Gruß an unsere Brüder und Schwestern vom Heimatschutz: Ja, dies ist ein Aufruf zur Gewalt. Denn es bedarf  gewaltiger geistiger Anstrengungen aller Gutwilligen in diesem Land, es von seinem „Ganzjährig November-Syndrom“ zu befreien.



8. Mauerfall, revisited
12. November 2009, 19:36
Filed under: Deppenschelte, Deutschland | Schlagwörter:

Was hat die Berichterstattung unserer Medien zum Mauerfall-Jubiläum genervt. Tröstlich ist da der Blick aus den USA, den Jürgen Kalwas American Arena mit uns teilt, unter „Daily Show: Die legendären Helden des Mauerfalls“. Hehe.




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