365 x Deutschland


9. Jetzt bringen sich schon die Sportler um

Ach. Betroffenheitsnoten von allen Organen, die sich bemüßigt fühlen, zum Selbstmord des Fussballstars ihren Senf zu geben. Ich denke natürlich weiter: Dieser junge Mann, er ruhe in Frieden, ist ein M ä r t y r e r. Also, seid traurig, aber dann: werdet wütend! Denn sein Freitod wirft ein düsteres Licht auf Deutschland – ein Land, in dem seelisch Leidende, so sie in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind und eine Therapie in Anspruch nehmen, ihre Kasse nie mehr wechseln können (anderen Informationen zufolge erst nach 10 Jahren). Denn keine andere wird sie gern wieder versichern (das erfuhr, hintenrum natürlich, sowas sagt dir keiner ins Gesicht, eine Freundin, als sie nach dem Grund fragte, warum ihr Aufnahmeantrag bei der gewünschten Institution abgelehnt worden sei). Nun wär’s ja gut, wenn ein Depressiver sich in Therapie begäbe; womöglich, wahrscheinlich – und wenn er die richtigen Tabletten kriegt/die richtigen Therapeuten findet, sogar ziemlich sicher – könnte ihm geholfen werden. Wenn er aber weiß, was es für Folgen hat, falls bekannt wird, dass er Hilfe braucht, wird’s ihm gleich noch dunkler ums Gemüt. Der Nationaltorwart befürchtete ja nicht zu Unrecht, dass er seine Sponsorenverträge verlieren würde, käme seine seelische Verfassung ans Licht – eine andere meiner Freundinnen wurde erst gar nicht angestellt, nachdem der prospektive Arbeitgeber, auf welchen Wegen auch immer, von ihrer nicht weit zurückliegenden Angsterkrankung Kenntnis erhalten hatte… Und wenn ich so überlege, fällt mir auf, dass ich viele solche Geschichten kenne und nicht e i n e Familie, in der nicht mindestens eine/r schon einmal psychisch erkrankt ist. Hut ab also vor dem prominenten Selbstmörder! Er ist zu bekannt, zu „erfolgreich“, als dass man seine Verzeiflungstat abtun könnte als „individuelles Schicksal“. Nix da. Macht kaputt, was euch kaputt macht! Zerschlagt die mafiösen Strukturen der Krankenkassen! Fordert ein menschenwürdiges Gesundheitssystem! So. Nachdem ich hier hoffentlich ausreichend Schlüsselwörter untergebracht habe, um irgendwo ein paar blinkende Fähnchen erscheinen zu lassen, beschließe ich meine täglichen 6 Minuten Nachdenken über die Heimat mit einem Gruß an unsere Brüder und Schwestern vom Heimatschutz: Ja, dies ist ein Aufruf zur Gewalt. Denn es bedarf  gewaltiger geistiger Anstrengungen aller Gutwilligen in diesem Land, es von seinem „Ganzjährig November-Syndrom“ zu befreien.

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