365 x Deutschland


36. Die Farbe Rosa, oder: Geschlechterkampf revisited II

Neben Kardinalslila und (Entschuldigung:) Kackbraun ist Schweinchenrosa wahrscheinlich eine jener Farben, die dem Auge wirklich nicht besonders wohl tun. Wieso konnte sich dann Rosa als Lieblingsfarbe kleiner Mädchen etablieren? Klar, Kinder haben einen grässlichen Geschmack – aber doch keine Scheckkarte. Also muss man die Eltern zur Verantwortung ziehen, die wären theoretisch für Geschmacksbildung zuständig. Wo aber bleibt die? Irgendwie auf der Strecke. Denn bereits Omi sortiert bei der Frage an die (Schwieger-)Tochter „Mädchen oder Junge?“ mental in rosa und hellblau. (Das mit dem Hellblau wird gesondert behandelt werden. Bleiben Sie dran. Vorläufig nur so viel: Es gab Zeiten, da war Pink die Buben-Farbe – nachzulesen u. a. hier).

Mutti macht weiter mit dem Unsinn: Rosa Bärchen, rosa Täschchen, rosa Söckchen. Das weibliche Kind gewöhnt sich an rosa Sachen, hält sie für normal, ja: schön. Und wenn Töchterchen sich im Einkaufszentrum (igitt) schreiend auf den Boden schmeißt, ist anscheinend sogar Papi wehrlos und kauft noch ein Ding in Pink. So weit, so schlüssig. Doch halt: Steckt hinter dem Pink-Wahn am Ende mehr? Emma und Abi Moore haben PinkStinks ins Leben gerufen, eine Kampagne, die sich damit beschäftigt, auf welche Rollenvorbilder rosa Prinzessinnen-Kleidchen und und rosa Plastik-Schminktische für Dreijährige (!) den weiblichen Nachwuchs einschwören. Sie kommen zu dem Schluss, dass Rosa etwa so viel mit Weiblichkeit zu tun hat wie die gebundenen Füße asiatischer Frauen früherer Jahrhunderte…

Auf die längst fällige Aufdeckung einer gigantischen Verschwörung der Hersteller von rosa Mädchen-Schund reagiert der katholische Nachrichtendienst kath.net indes ganz eigenartig: „Hat der `Kampf gegen den Patriarchalismus´ die Vaterrolle gehörig demoliert, hat die feministische Bewegung die Frauen von ihrer Mutterrolle `emanzipiert´, so setzt `Pinkstinks´ – skurril genug, um keinen Widerstand zu provozieren – an der Wurzel an: bei den Kindern.“ Jessasnaa, sollen jetzt schon die lieben Kleinen feministisch indoktriniert werden? Um Himmels Willen, wo kommen wir denn da hin! Dann kann ja bald wirklich keine Frau mehr kochen. Wir werden verhungern. Mamiiii!

So weit kommt's noch

Nachtrag: In Großbritannien gilt „Feministin“ mittlerweile als ganz schlimmes Schimpfwort. Zum Glück dissen sich deutsche Jugendliche immer noch gender-unspezifisch als „Du Opfer!“.

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2 Kommentare so far
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Weiß nit … rosa? Was, wenn kleine Mädchen die Farbnuance wirklich mögen? Oder Schwule? Wohin jetzt mit den süßen Ferkeln oder auch Marzipanschweinchen? Wohin mit dem Roséwein? Sollen die Luxemburg oder Prinz Stramin sich posthum umtaufen lassen? Oder Pink einen neuen Künstlernamen finden? Gut, rosa gehört sicher nicht zu meinen Lieblingen auf der Pallette. Aber wenn ich mir so meine Fingernägel angucke…will sagen: es gibt vielleicht produktivere Beiträge zur Gender-Diskussion. Grüße, Bodo

Kommentar von Bodo

Die Schwulen, chèr Bodo, wurden mit einem „Rosa Winkel“ exkludiert, marginalisiert, verfolgt – und wenn sich heute eine schwul-lesbische Wählerinitiative „Rosa Liste“ nennt, spielt sie ironisch mit einer noch älteren Verwendung dieser Farbe… Die Künstlerin Pink konterkariert mit ihrem Werk eben jenes süßliche Mädchen-Image, das ihr Name verspricht.Auf der Innenseite eines Kaninchenohrs oder der Nase meines Hundes, für Fingernägel und als Frauenname ist Rosa ansonsten ganz prima.

Kommentar von Eva Herold




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