365 x Deutschland


38. Nachdenken über Geld. Ja, schon wieder.

Warum sich alle über Sloterdijks jüngsten Klops aufregen, kann ich nicht nachvollziehen. Der Mann denkt doch nur über etwas nach, das man so ähnlich schon im September 2005 von Warren Beatty gelesen hat: „Ich will mehr Steuern zahlen“. Klingt ulkig für deutsche Ohren, was? Damals meinte der Schauspieler in einer recht Schwarzenegger-kritischen Rede, dass es nicht unbedingt schon Sozialismus sei, wenn Reiche für Arme sorgen (übrigens forderte er auch das, wofür Obama heute, 2010, Prügel bezieht: Bezahlbare Gesundheit für alle). Ach, ich bin froh, dass wir einen wie Sloterdijk haben. „Verblasener Dumpfdenker?“ Weiß nicht. Ist es nicht vielmehr erfrischend, dass er an die Geber-Qualitäten von „Steuer-Aktiven“ (das sind die „Besserverdienenden“ des Herrn W.) glaubt? Dass er keine Angst hat, sich etwas zu vergeben, wenn er Tüchtigkeit und Geschäftssinn nicht verteufelt und Finanzhaien einen Hauch von sozialem Gewissen nicht a priori abspricht? Als ich einmal über die Steuern jammerte (das war, als Journalisten noch gut von ihrer Arbeit leben konnten), sagte meine Freundin Bettina: „Freu dich doch, dass Du genug Geld hast, sie zu bezahlen!“ So hatte ich das noch gar nicht gesehen.

Nachtrag: im Juni 2010 lief das in den TV-Nachrichten: Deutsche Erben wie Lehmkuhl & Co. gründen einen „Club der Millionäre“, der für die Vermögenssteuer wirbt. (via fefe)

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3 Kommentare so far
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Der Sloterdings wäre gern der Adabei der Upperclass und gleichzeitig ein Jakobiner. Das wird aber nichts werden. Im Grunde hasst er den Staat als solchen. So romantisch ist der. Und so doof. Ein Staat wird nicht durch das „Gewissen“ der reichen Klasse geregelt sondern durch Recht und Macht. Sein Vorschlag macht aus dem Staat das, was noch mehr Menschen würden, käme jemand auf die Idee, seine Vorschläge auszuprobieren: einen entrechteten, machtlosen Penner, der von launischen Schwerreichen ab und an Almosen empfängt. Warten Sie nur ab, Verehrteste, wenn morgen das Öl knapp wird: Der S. hat längst einen irren genialisch-romantischen Rettungsplan in der Schublade. Den zückt er dann triumphierend und kann nochmal ein, zwei Jahre im Fernseh den Kasper machen. Ich schalte jetzt schon ab.

Kommentar von Doktor Vogl

So viel Emotion, Wertester? Jaja, der S. möcht den Oberklassen-Clown geben, aber seit wann treten wir Emporkömmlinge so hart? Not our class, darling. Zumal er mich in einem Punkt richtig beschreibt: Ich zucke zusammen, wenn die grauen Umschläge vom Finanzamt kommen, als wär da eine Obrigkeit und meine „Bringschuld“ verwandelte mich in einen Untertanen. Das ist doch nicht zeitgemäß…

Kommentar von Eva Herold

Wer beim grauen Brief zusammenzuckt, weiss: da ist eine Obrigkeit und die nimmt es den einen, um es den anderen zu geben. Ich bin mir sicher, dass man den anderen die Knete nicht einmal mit Waffengewalt abnehmen könnte, so sehr hängen die an ihr und so viel Einfluss haben die. Denn die „Obrigkeit“ hat auch ihre Obrigkeit. Früher hiess dieses Gebilde Klassengesellschaft, aber das hält der Sloterdijk sicher nicht mehr für zeitgemäß, oder? Nix für ungut, ich reg mich ja schon wieder ab.

Kommentar von Doktor Vogl




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