365 x Deutschland


41. Copenhangover, oder: Noch mehr Glaubenskriege

Nachtrag zum Eintrag Nr. 21: Jemand gab bei einer Suchmaschine die Frage „Sind Klima-Skeptiker rechts?“ ein, und das Netz in seiner unendlichen Weisheit spuckte unter den vielen tausend Stellen, die das Stichwort „Klima-Skeptiker“ enthalten, eben diesen Eintrag Nr. 21 (siehe weiter unten) aus. Abgesehen davon, dass Verallgemeinerungen wie „Männer sind doof“ oder „Frauen sind die besseren Menschen“ zu Konfrontation statt zu Kommunikation führen (ich wähle mit Bedacht ein einfaches Beispiel, das auch unser Fragesteller versteht): Ein Skeptiker ist zunächst einmal jemand, der nicht alles glaubt, was ihm ein Nachbar, ein Bundestags-Abgeordneter, ein religiöses Oberhaupt oder eine Zeitung erzählen. Ein „Klima-Skeptiker“ könnte ein Wissenschaftler sein oder ein kompletter Ignorant, ein Lobbyist oder der Anhänger einer bestimmten politischen Richtung. Oder jemand, den es irritiert, dass die Sache mit dem Klima mittlerweile pseudo-religiöse Züge annimmt. Wenn der Sprecher dieses „Kulturzeit“-Beitrags seiner Stimme nicht so einen dämlich süffisanten Unterton gegeben hätte, könnte ich ihn guten Gewissens als Illustration dieser Beobachtung empfehlen. Obwohl hier dem bösen Buben Norbert Bolz („Das konsumistische Manifest“, Fink) ein bisschen viel Sendeplatz eingeräumt wird. Richtig, der Medienprofessor gilt als Zyniker und Provokateur. Aber gar keine Denkanstöße zu geben, um bloß nicht von einer zu Hysterie neigenden Öffentlichkeit abgestempelt zu werden – das geht ja auch nicht.

Ein Beispiel dafür, wie wenig die Frage nach „links“ oder „rechts“ zur Lösung von Interessenkonflikten beiträgt: Ein paar Wochen nach Winnenden wurde bekannt, dass der SPD-Bürgermeister einer bayrischen Gemeinde im Prinzip nichts dagegen hat, wenn in den Keller der neu zu errichtenden Schule gleich noch die Schießanlage des örtlichen Schützenvereins (dem man, wir sind in Bayern, CSU-Nähe unterstellen kann) mit reingeplant wird. Hallo? Da kommt man mit parteipolitischen Schubladen nicht wirklich weiter. Wie viel schwieriger mag es dann erst sein, Kategorien wie „Vernunft“ oder „Weitsicht“ oder „Angemessenheit“ einzuführen in einen so komplexen Diskurs wie den über die notwendige Abwägung zwischen Klimaschutz und wirtschaftlichen Vorteilen, internationalen Verflechtungen und wissenschaftlichen Eifersüchteleien?

Sinnvoller als die Frage nach dem Parteibuch wäre, wie so oft, das Sammeln von Informationen und eigenes Nachdenken. Das Netz kann beim Recherchieren von Fakten behilflich sein – bedenken Sie dabei bitte stets, dass die Trefferquote ziemlich genau der des Publikums-Jokers entspricht. Als Orakel hingegen würde ich das I Ging empfehlen.


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