365 x Deutschland


59. Neue Männer? Lasst stecken…

In Deutschland ist eine gefährliche gesellschaftliche Entwicklung zu beklagen: Jungs sind zurückgeblieben und neigen zu Gewalttätigkeit. Ist das wahr. Darauf wären wir von allein nie gekommen, aber zum Glück fanden wir die Ankündigung für diesen Kongress an der Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf: Neue Männer – muss das sein? „Zertifiziert durch die Ärztekammer Nordrhein mit 13 Punkten“, steht auf dem Tagungs-Flyer; das Rheinland hat also auch in der Fastenzeit etwas Amusement zu bieten… Nein, niemand darf sich lustig machen über den männlichen Nachwuchs, denn der hat es richtig schwer: Bereits im Kindergarten werden Buben von Erzieherinnen mehr geschurigelt – Mädchen können sich schon in der Vorschulzeit geschickter anpassen, kapieren schneller, was von ihnen erwartet wird, kommen mit Enttäuschungen besser zurecht. Kein Wunder, dass sie inzwischen 55 % der Abiturienten stellen und später leichter an Jobs kommen.

Auf dem Männerkongress spricht u. a.Professor Dr. Gerhard Amendt; das ist der mit dem Vorschlag, die Frauenhäuser abzuschaffen, die seien schließlich ein „Hort des Männerhasses“. (In Frauenhäuser flüchten – für alle, die es noch nicht mitgekommen haben – Frauen, die von ihren eigenen Männern so brutal misshandelt werden, dass sie keinen anderen Ausweg mehr wissen). Sein Vortrag handelt vom „verlassenen Mann“. Das mit dem Verlassen versteht auf Anhieb jede, die sich einmal durch Amendts Aufsatz „Die Opferverliebtheit des Feminismus oder: Die Sehnsucht nach traditioneller Männlichkeit. Die Zukunft der Männer jenseits der Selbstinstrumentalisierung für Frauen“ gequält hat – einen derartig schrägen rant („Verdammungsfeminsimus“, Jungejunge) muss man lange suchen… Nach der Pause ist dann Professor Walter Hollstein dran, zum Thema „Der entwertete Mann“. Dieser Professor hat zuletzt 2008 beim Aufbau-Verlag ein Buch veröffentlicht mit dem wirklich poetischen Titel „Was vom Manne übrigblieb“. Auch schön: „Potent werden. Das Handbuch für Männer“ (Huber, 2001). Handbuch? Es reden noch ein paar andere Professoren auf diesem Kongress, dessen Zielgruppe sich mir nicht auf Anhieb erschließt. Andere frustrierte Professoren? Gender Study-Experten?? Therapeuten??? Das „Tagungssekretariat“ hat, wie sollte es anders sein, eine Frau inne.

Also zurück zu unseren erfolgreichen Abiturientinnen und Job-Bewerberinnen. Irgendwo in ihrer Sozialisation müssen die Männer dann ja ordentlich aufholen, denn zur Professorin oder Vorstandsvorsitzenden bringen es nach wie vor die wenigsten Frauen. Eigenartig, bei all den Diskriminierungen, die unseren männlichen Mitbürgern auf ihrem steinigen Weg zu diesen Posten anscheinend ständig widerfahren. Mag sein, dass das Selbstbild der alten Männer gehörig ins Wackeln gekommen ist seit den bösen 1968er Jahren und dieser Frauenbewegungs-Sache – aber „neue“ Männer sehe ich weit und breit keine. Naja, doch, wenn ich’s mir recht überlege: Sie jammern heutzutage mehr.


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2 Kommentare so far
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Ich würde als Zielgruppe eines Kongresses „Neue Männer – muss das sein?“ die alten Männer vermuten. Kann mich aber täuschen. Das sind vielleicht Oldies, die, wahrscheinlich längst von abnehmender Lendenkraft geplagt, eine Sehnsucht nach der guten alten Männlichkeit entwickeln, also ziemlich genau nach den kryptoschwulen Erlebnissen ihrer Jugendfussballmannschafts- und Bundeswehrzeiten. Frauen kommen da nur im Modus der Negation vor, als Spindhaserl oder Ehesklave. Sowelche sind das, meine ich. Warum kommen die karrieremäßig nach oben und die Frauen nicht? Weil sie, wenn´s um ihre Interessen geht, brutaler sind. Wussten Sie, seit wann die deutsche, männliche Rechtssprechung den Straftatbestand der“Vergewaltigung in der Ehe“ kennt? Seit 1995. Das ist noch einer langer Weg und ob an seinem Ende neue Männer stehen, weiss niemand.

Kommentar von Doktor Vogl

Jo, über die Änderung der Geschlechterrolle und die Auswirkung auf unsere Gesellschaft ließe ich stundenlang streiten. Ich tue das zugegeben etwas unpassend in meinem eigenen Blog. Ich bitte das zu entschuldigen, aber für einen einfachen Diskussionsbeitrag ist der Inhalt einfach zu lang.

Kommentar von gesundheitsunwesen




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