365 x Deutschland


79. A Propos „Gesundheitswesen“

Nein, wirklich, ich mag Ärzte. Einige meiner besten Freunde sind welche. (Das war gelogen. In unserem Bekanntenkreis findet sich genau einer, aber der ist sehr nett.) Leider haben Mediziner keinen guten Ruf; in der Beliebtheitsskala rangieren sie irgendwo zwischen Bankern und Journalisten, also ziemlich weit unten. Was ein bisschen ungerecht ist, da Krankenkassenvorstände oder Arzneimittelhersteller wahrscheinlich die unangenehmeren Zeitgenossen sind und nebenbei nicht so viele Leben retten (jedoch sicher genauso viele lebensgefährliche Fehlentscheidungen treffen wie ein durchschnittlicher niedergelassener Doktor). Kein Wunder also, dass im schönen Deutschland bald ein eklatanter Mangel an Halbgöttern in Weiß herrschen wird. Der Rösler – seine Klientel nennt ihn den „sanften Rambo“ oder gleich „Kassen-Kennedy – will deshalb den Numerus Clausus abschaffen und Medizinstudenten mit Vergünstigungen ködern, wenn sie hoch und heilig versprechen, nach Abschluss des Studiums als Landarzt zu praktizieren. Zwei im Prinzip völlig richtige Schritte, denn gute Noten in Mathe und Kunst, Sport und Französisch nützen nur bedingt, wenn es darum geht herauszufinden, ob Omi apoplektisch ist oder nur tödlich gelangweilt vom Nachmittagsprogramm. Zudem werden die Leute zwar immer älter, auch in der Pampa, nur Ärzte ziehen keine mehr aufs Land. Ist irgendwie verständlich: Zu all den Verwaltungsschikanen und dem nicht mehr ganz so üppigen Verdienst auch noch Hausbesuche, echt, oder? Wäre schön, wenn wir tatsächlich auf eine neue Generation von Ärzten hoffen dürften, die (außerhalb des Fernsehens) gern Landarzt ist und davon gut leben kann; den Älteren unter uns bliebe ja immer noch das sozialverträgliche Frühableben. Das Problem mit dem Rösler ist nur, dass er a) in der falschen Partei ist und es b) deshalb nicht schaffen wird, dieses Gesundheitsunwesen vom Kopf auf die Füße zu stellen. Das wird die Pharmalobby – gemeinsam mit ihrer buckligen Schwester, der Kassenmafia – zu verhindern wissen. Übrigens: Rein rechnerisch hat jeder Deutsche, vom Baby bis zum Greis, letztes Jahr 3210,- Euro für Gesundheit ausgegeben, sagt das Statistische Bundesamt. Das ist kurioserweise etwa die Summe, die eine 85-jährige Dame in unserem Bekanntenkreis, die über 400,- Euro Rente im Monat verfügt, ihrem Zahnarzt hinblättern soll. Hat sie doch lässig in acht Monaten abgestottert… vorausgesetzt, sie isst nichts, mit ihren neuen Zähnen.

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5 Kommentare so far
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„Leider haben Mediziner keinen guten Ruf; in der Beliebtheitsskala rangieren sie irgendwo zwischen Bankern und Journalisten, also ziemlich weit unten.“

Wo hast Du denn das her? Aus der Bildzeitung? Oder aus dem Blättchen, dass Dir Deine AOK regelmäßig schickt? Fakt ist das Ärzte, zumindest bei Ihren Patienten, meist sehr gut angesehen sind, und das ist auch der Grund weshalb viele Ärzte bleiben, trotz der gruseligen Situation im Gesundheitswesen. Manchmal ist eben Dankbarkeit mehr wert als Geld.

Kommentar von gesundheitsunwesen

Dies ist vielleicht eine etwas seriösere Quelle
(http://www.ifd-allensbach.de/news/prd_0802.html) alledings zugegeben 2 Jahre alt. Aber, sollte sich so viel geändert haben? Außerdem erklärt dieses Ergebnis weitaus plausibler, weshalb nach wie vor ein solcher Andrang auf Medizinstudienplätze besteht.

Kommentar von gesundheitsunwesen

Ich glaube dieser Quelle:
http://www.eichborn.com/index.php?id=384

Kommentar von Doktor Vogl

Hehehe. Ich weiß jetzt schon, wie Ihr Twitter-Account heißen wird, Verehrtester: Spaß-Vogl.(Oder ist der alt? Dann ‚tschuldigens vielmals!)

Kommentar von Eva Herold




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