365 x Deutschland


96. Bunzpräsidentenwahl

Das „Volk“ mochte Köhler. Hieß es (ich kenne genau einen Menschen persönlich, der den ganz gut fand). Aber Köhler war politikverdrossen und hatte vom „Volk“ die Schnauze voll, genau wie Koch und Rüttgers. Jetzt will das „Volk“ Gauck (scheint irgendwie ein anderes „Volk“ zu sein; immerhin finde ich in facebook Zehntausende, die den ganz gut finden), kriegt ihn aber wahrscheinlich nicht. Mal ehrlich: Schert sich eigentlich irgendjemand darum, was das „Volk“ will? Klar ist nur eins: Die Politiker würden, wenn sie könnten, beide Sorten „Volk“ abschaffen. „Alle Macht geht von Volk aus“, hehe.

Nachtrag: In Bayern hat das „Volk“ am 4. Juli abgestimmt, dass in Kneipen nicht geraucht wird. Und in der Schweiz wünscht sich das „Volk“ weniger Moscheen. Wird Zeit, dass die große Partei der Nichtwähler wieder ins Rennen geht.



95. Deutschlandfahnen schwenken II oder: Sommermärchen 2.0
24. Juni 2010, 08:22
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Private Viewing bei einem engagierten Unternehmerpärchen in einem traumhaften Loft am Rande der Stadt. Hart arbeitende, erfolgreiche, fröhliche Angestellte und Freiberufler gucken das Spiel und diskutieren, inwieweit das Fahnenschwenken einen neuen, „normalen“ Patriotismus unterstützt. Wie man’s den Kindern erklärt, und wie die Schulen verändert werden müssen, damit wieder alle die Chance haben zu kapieren, was sie da tun, wenn sie die Fahnen schwenken. Wirklich intelligente, tapfere junge Leute. D a s ist der Mittelstand, den die Politik schon seit einiger Zeit aus purer Blödheit versucht kaputt zu machen. Dabei ist genau dieser Mittelstand unsere einzige Hoffnung.



94. Deutschlandfahnen schwenken

Ich hatte mich in meinem Stammcafé verabredet – unpraktischerweise genau zu dem Zeitpunkt, als das Fußballspiel zu Ende war, und nicht überrissen, dass die Leopoldstraße hier „Fanmeile“ ist. Bei dem Getröte – diese archaisch anmutenden Vuvudingsda-Hörner machen richtig Lärm – bekam ich Kopfschmerzen, noch bevor ich das Lokal erreichte. Drinnen lief, natürlich, die Glotze, in der brüllend erörtert wurde, warum „Schweini“ gelb-rot gesehen hatte. Draußen fuhren die Fans der Gewinner-Mannschaft Hup-Korso; zuerst dachte ich: Interessant, wie viele Serben es in München gibt. Bis mir auffiel, dass es immer die selben Autos waren; die wendeten wohl am Siegestor und bogen an der Freiheit wieder ein. Die genervte junge Frau, mit der ich ins Gespräch kam, hatte ihren kleinen Sohn auf seinen Wunsch vor dem dröhnenden TV-Gerät platziert und ärgerte sich lauthals über die fahnenschwenkenden Jugendlichen: „Da identifizieren sie sich plötzlich mit ihrem Land! Statt dass die sich für etwas Wichtiges engagieren! Gäb ja wirklich genug – wie wär’s mit ein bisschen Protest gegen den Westerwelle und seine Bande?“ – „Ja“, meinte ich, „den Fußballtaumel nutzen sie zum Beispiel gerade, um die ‚Gesundheitskarte‘ durchzuwinken.“ (Sogar Dr. Geldgier will aus der FDP austreten, wenn das passiert. Besser spät als nie, Mann!) Ein mitfühlender Mensch hatte inzwischen den Fernseher abgestellt, und in die plötzlich entstandene Stille sagte die junge Frau nachdenklich: „Man muss doch irgendetwas unternehmen.“ Ich gab ihr die Adresse dieses Blogs, mehr fiel mir auch nicht ein. Inzwischen war mein Date eingetroffen, und wir gingen hinaus in den Nachmittag, wo die Jugendlichen mit ihren Deutschlandfahnen durch den Regen schlappten.

Nachtrag: In ICH WILL HIER WEG, ABER WOHIN? Lexikon der alltäglichen deutschen (und wenn wir schon dabei sind, überhaupt) Ärgernisse – siehe Eintrag 1. – steht zum Stichwort „Deutschlandfahnen schwenken“:

Im Grunde hat Günter Grünwald recht, wenn er sagt, das Absingen des Bayern-Liedes („Gott erhalte…“, nicht „Olé, olé, oléoléolé“, das wird in den Stadien gern verwechselt) dürfe man auf keinen Fall den Rechten überlassen. Analog dazu müsste sich jeder rechtschaffene Bürger – und zwar nicht nur zu Fußball-WM- oder EM-Zeiten – so ein Stück schwarz-rot-gelben Stoff besorgen und irgendwo heraushängen lassen. Das Problem ist jedoch unter anderem auch ein Ästhetisches: Ich finde in meiner Umgebung einfach keinen Platz, wo diese Farbkombination hinpassen würde.



93. Anarchie in Deutschland
16. Juni 2010, 10:22
Filed under: Deutschland, Medien, Politik, Wirtschaft & Wahnsinn | Schlagwörter: , , , ,

Wenn drei brave, gut informierte und kein bisschen hysterische Politikwissenschaftler in einem seriösen, eleganten Print-Magazin auf die Frage, wer uns denn eigentlich regiere, auch nur feststellen können, dass es Oligarchen sind, denen im Grunde das Handwerk gelegt gehört – dann lässt das schon aufhorchen. In der aktuellen GAZETTE finden Sie diese sehr aufschlussreiche Unterhaltung, die in einem – wenn auch sanft und zivilisiert vorgetragenen – Aufruf zur Anarchie gipfelt. S o l c h e n Journalismus brauchen wir, denn der Fisch stinkt vom Kopf her, und die Mainstream-Medien verdienen (noch) viel zu gut daran, Parfum drüber zu sprühen.

Nachtrag: Sehen Sie sich in diesem Zusammenhang noch einmal das Gespräch mit Matthias Greffrath aus Eintrag 91. an: Unsere Gesellschaft fällt auseinander – und es sind nicht die Dümmsten, denen das sauer aufstößt.



92. Frauen in Deutschland V

Heute verweise ich zu diesem Thema auf zwei Beiträge von Männern: Lesen Sie bitte Ralf Schwartz: Wow, knapp 30.000 Jahre nach dem Neandertaler soll bald jedes 5.(!) Vorstandsmitglied weiblich sein … (beachten Sie unbedingt auch die Addenda) und Dr. Joachim Jahnke: Wie Deutschland mit seinen Frauen umgeht und die Folgen für die Demographie. Danke, meine Herren.



91. Spar-Paket mal anders

Man kann ja über den Spiegel meckern, so viel man will, aber dieser kleine Bericht von Spiegel-TV kam schon recht passend zu Merkels Spar-Paket: Die Steuerzahler sponsern sowohl katholische und als auch evangelische Bischöfe und Einrichtungen mit erklecklichen Beträgen. Der Deal basiert auf einem 200 Jahre alten Papier und könnte jetzt langsam mal auslaufen – die Herren brauchen den Soli nun wirklich nicht sooo dringend … unsere Gesellschaft hingegen hätte ihn bitter nötig. Aber Matthias Greffrath zweifelt in einem Interview bei Kulturzeit ohnehin daran, dass wir überhaupt noch „e i n e Gesellschaft“ sind. Genau wie übrigens Georg Schramm in seinem letzten Auftritt in der ZDF-Anstalt, wo er den „Leistungsträgern“ die Leviten liest;



90. Unser aller Sparkassendirektor soll einen Fundi-Christen als Nachfolger bekommen? Danke, aber nein danke.

Bei fefe (über mediaclinique) konnte man einen gut recherchierten Artikel von EsoWatch finden: Christian Wulff gehört anscheinend zum Kuratorium Pro Christ, einer evangelikalen Missionierungsbewegung. Da kommen natürlich unangenehme Erinnerungen auf: Wollte nicht der weltbeste Skifahrer Althaus seinerzeit ein Schulbuch der Kreationisten einführen – in trauter Zusammenarbeit mit einem Münchner Professor? Gott beschütze uns vor solchen Politikern. Und so einen wollen sie uns als Nachfolger des tolpatschigen Sparkassendirektors präsentieren? Hallo? Geht’s noch? Lesen Sie bitte dazu die Ruhrbarone – vor allem auch die Kommentare… Guido wird sich freuen, Christians Gesinnungsgenossen glauben nämlich: Schwulsein ist heilbar. Na dann viel Spaß.

Nachtrag:Sieh an, DIE ZEIT hat das Thema aufgegriffen.




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