365 x Deutschland


103. Duisburg und die Welt

Während noch darüber gegrübelt und gestritten wurde, wie ein friedliche (Konsum-)Fest namens „Love Parade“ so schlimm enden konnte (es wird sich herausstellen, dass die Toten und Verletzten dem „Standort“ geopfert worden sind, denn was die Besucher allein in der Gastronomie gelassen haben, kann so ein mickriges Stadtsäckel gut gebrauchen), lief im Öffentlichrechtlichen die Erklärung dazu. In gut gewählten Bildern und entlarvenden Interviews erklärt uns Erwin Wagenhofer die schöne neue Welt der neoliberalen Wirtschafts“ordnung“ – in seiner hervorragenden Dokumentation Let’s Make Money. Dieser Film, Damen und Herren Lehrkräfte, müsste in Ihren Schulen gezeigt werden – als Pflichttermin. Stattdessen wurde er mit einem Doku-Preis abgespeist und im Nachtprogramm versteckt.



102. Sprachschund II

Die Verhunz-Akrobaten sind ü b e r a l l. Gerade las ich auf dem angeberisch außen angebrachten Ersatzrad eines dieser grässlichen Möchtegern-Allrad-Fun-Vehikel: Nicht’s ist unmöglich. Oh bitte. Kann mal jemand rasch die Stilpolizei bei Textguerilla benachrichtigen?

Nachtrag: Der ultimative Buchtipp – „The Great Typo Hunt“ von Jeff Deck & Benjamin D. Herson – zum großen Themenkreis „ärgerliche Rechtschreibfehler und scheußlich-schöne Stilblüten“ kommt von einer Schwester im Geiste. Großartig



101. Grossartige alte Kerle, oder: Die Liebe in den Zeiten nach der Kohl-Ära

Lassen Sie uns heute einmal über Enttäuschungen sprechen. In den Einträgen 16. und 19. habe ich darüber nachgedacht, was sich eigentlich seit der Kohl-Ära zum Besseren verändert hat in Deutschland. Die Hoffnungen waren groß, damals, als Typen wie Gerd und Joschka auftauchten. Meine Freunde und ich, wir hatten den Dicken und alles, wofür er stand, verabscheut. Wir Naivlinge liebten die Neuen schon dafür, dass sie nicht Kohl waren. Und dann wurde vieles noch viel schlimmer. Ent-täuscht sein bedeutet, dass man sich über etwas nicht mehr täuscht, über die redlichen Absichten von Politikern und Bankern etwa… Wir sind zynischer geworden, so viel steht fest. Und doch. Da gibt es alte Männer (wahrscheinlich auch alte Frauen, aber von denen hört man nicht so viel – möglicherweise werd ich mal eine von ihnen sein), die ganz offensichtlich weder den Mut noch den Kampfgeist verloren haben, die unermüdlich arbeiten an den Grundfesten einer neuen, redlichen Zivilgesellschaft. Klaus Wagenbach, (gerade 80 geworden) bringt unbeirrbar Bücher heraus, die dem Linken, Guten, Schönen dienen. Jean Ziegler (76) hört nicht auf, den Hunger in den sogenannten Entwicklungsländern anzuprangern und den Oligarchen vorzuwerfen, inmitten einer Welt, in der alle satt werden könnten, jede Minute ein Kind zu ermorden. Und Jeremy Rifkin (ist erst 67) argumentiert ein ums andere Mal, dass die Empathische Zivilisation notwendig u n d erreichbar sei. Guckst du:

(von RSA, über Gabi)

Woher nehmen diese Kerle die Kraft, weiterzumachen? Die Hoffnung, doch etwas ausrichten zu können? Die Weisheit, Enttäuschungen nicht zu Resignation gerinnen zu lassen?



100. Das bisschen Öl II
8. Juli 2010, 08:47
Filed under: Deutschland, Sport, Umwelt, Wirtschaft & Wahnsinn | Schlagwörter: , , , , ,

Haben die Spanier also dem deutschen Fußball-Traum einen Präcox beschert (hey, eine Frau k a n n sich für so einen Schmarrn auch interessieren. M u s s aber nicht). Wollen wir uns bitte jetzt wieder auf die wichtigen Angelegenheiten konzentrieren? Zum Beispiel, wie viele Gallonen Öl jede Sekunde ins Meer fließen? Zum Mitzählen: Klicken Sie auf DIE GAZETTE

Nachtrag: Medienjunkie bringt den Millionärssport-Wahn, bei dem hochbezahlte Söldnersklaven uns Arbeitssklaven „Sport“ vorspielen, auch schön auf den Punkt. Natürlich nicht so krass formuliert. Wobei, ich mochte „Gladiator“, wegen Russell Crowe. Jaja, Mädchen sind auch doof.



99. Brot & Spiele

Wie die Politik das große Geld mobilisiert und den Sport utilisiert, um den Bürgersinn in Schlaf zu wiegen – darüber ärgert sich heute mediaclinique schwar(t)z.



98. Das bisschen Öl
4. Juli 2010, 07:49
Filed under: Deine Tiere, Deutschland, Tiere, Umwelt, Werbung, Wirtschaft & Wahnsinn | Schlagwörter: , , , , ,

Das wussten Sie natürlich längst, dass vor unserer Haustür auch solche Löcher gebohrt werden. Oder wie, dachten Sie, fördern z. B. die Norweger ihr Öl? (Adbusting gefunden bei Konsumpf)

Adbusting is King

via Konsumpf

Wobei es, global gesehen, überhaupt nicht darauf ankommt, von wo aus wir die Ozeane versiffen. Was man spätestens dann kapieren wird, wenn die Vögel, Fische, Meeressäuger, Korallen und das ganze Plankton-Zeugs weltweit abnippeln.

Nachtrag: Ölteppiche in der Nordsee (über fefe, Sun Jul 11 2010)



97. Deutschland, hör auf Deine alten Säcke!

Nein, nicht auf alle – aber ein paar ältere Herren sind momentan am besten in der Lage, ihr Gespür dafür auszudrücken, dass die Leute eine andere Politik wollen. Joachim Jahnke schreibt im Beitrag „Ich hatte und habe einen Traum“ (Nr. 1802 in seinem Infoportal): „Die Gesellschaft scheint mir wieder auf einen Bruchpunkt zuzusegeln“ und plädiert für mehr Bürgerbeteiligung, für ein neues 1968. Und dann gibt es seine Rede:

Gauck (den man durchaus dafür kritisieren kann, dass er den Afghanistan-Einsatz gut fand … ob er das heute noch unterschreiben würde? fefe hält ihn allerdings für strictly NeoCon und einen fleißigen Zuarbeiter der Initiative Neue Marktwirtschaft) ist immerhin ein Beispiel für Odo Marquards These: Ohne Herkunft keine Zukunft. Ich habe den Polit-Sprech der strammen Partei-Babyboomer so satt und höre lieber Leuten zu, die Geschichte erlebt – und möglicherweise sogar daraus gelernt – haben.

Und hier noch eine Anmerkung für die paar Mangelintelligenten, die meine Arbeit gern in so eine „irrationale Feministinnen“-Ecke stellen würden: Ich wünschte, Helmut Schmidt hätte derzeit mehr zu sagen in unserem Land, und Ursula von der Leyen weniger. Bin ich jetzt keine Feministin mehr, sondern gerontophil?




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