365 x Deutschland


119. Wir lieben es

© Sally Davies

Wir Deutschen machen ja seit den späten 1960-er Jahren eifrig mit bei der McDonaldisierung der Welt, und das Dreckfress-Konzept scheint – „Bio“ hin, Massientierquälhaltung her – nach wie vor aufzugehen: Immer wenn ich ins Kino will, muss ich mich vor einem dieser Ketten“restaurants“ an veritablen Pulks von Jugendlichen vorbeidrängeln, die dort Futter fassen. Schade, dass sie nicht lesen. Zum Beispiel Konsumpfs Blog. Hier berichtete er vor einiger Zeit über das McDonald’s Happy Meal Project“ der Amerikanerin Sally Davies, die nachweist, dass das Zeug praktisch unkaputtbar ist. Es kann 180 Tage im Fußraum deines Autos oder auf deinem Küchentisch liegen bleiben: Keine Maden, kein Zerfall, nur ein acrylartiger Überzug. Natürliche Zutaten, hehe.

Advertisements


118. Frauen in Deutschland VI. Oder: Wie verlogen soll diese Integrationsdebatte denn noch werden?

Wenn der neue Bunzpräsident mit „Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“ meint: „Jungejunge, sind inzwischen aber viele Türken hier“, hat er ganz recht (auch wenn seine Parteifreunde das jetzt mutwillig und medienwirksam falsch verstehen, nach dem Motto: Soll der Islam jetzt etwa gleichberechtigt hier rumlungern und unsere sagenhaft menschenfreundliche jüdisch-christliche Tradition irgendwie verdrängen, oder wie? Hat Wulff vielleicht etwas verwechselt und meint unsere humanistische Tradition? Ach bitte. Ihr wisst doch genau, dass der Chef sogar die richtig fundamentalistischen Christen gut findet!). Und weil man im Fernsehen oft diese schnippischen, gut ausgebildeten türkischstämmigen Mädels – mit und ohne Kopftuch – sieht, die Anwältin oder Journalistin oder Schauspielerin gelernt haben, denkt der Normalbürger: wie denn, Integration? Geht doch. Ja, ich bin ganz sicher, das wird schon. So in zwei, drei Generationen werden Geschichten wie die von Inci Y., einer Türkin in Deutschland, sich lesen wie eine Gruselstory aus lang vergangenen Zeiten (ungefähr so, wie wenn du einer jungen Frau heute erzählst, dass Oma noch den Opa um seine Unterschrift bitten musste, wenn sie einen Kredit aufnehmen oder sich eine Arbeit suchen wollte. Glaubt dir doch keine mehr). Aber: Was sich in diesen zwei, drei Generationen noch an unguten Auseinandersetzungen zwischen Blödianen abspielen wird, die ihre jeweilige Religion für ihre jeweilige Meinungsbildung instrumentalisieren – das wird nicht so lustig, schätze ich.



117. Wir sind das Volk

Mit dem Volk ist es so eine Sache. Schon anlässlich der Bunzpräsidentenwahl wunderte ich mich über die verschiedenen Sorten „Volk“, die es anscheinend gibt. Volk, das Gauck lieber als Präsidenten gehabt hätte, und speziell bayrisches Volk, das keine Raucher in Kneipen duldet. Jetzt liest man viel über armes Volk, das gefälligst auf Alkohol und Kippen verzichten sollte. Oder schwäbisches Volk, das Stuttgart 21 nicht so ganz gut durchgeplant findet, und uniformiertes Volk, das recht rabiat gegen dieses Volk vorgeht. Über all dem Volk thronen Volksvertreter, die laut ZEIT geschickt verhindern, dass das Volk ein Wörtchen mitredet bei der Planung eines solchen Riesenprojekts. Weil, was versteht das Volk schon von Städteplanung und Arbeitsplatzbeschaffung, gell? Ich bitte Sie: Schüler! Rentner!! Hausfrauen!!! Um ein paar gefällte Bäume im Schlosspark ein Theater machen, das können die … Und nächsten Samstag geht schon wieder so ein Volk in München auf die Straße, und seinen Vertretern mitzuteilen, dass es eigentlich keine Atomkraftwerke mehr möchte, zumal die Sache mit der Endlagerung noch nicht wirklich gelöst ist. Aber billigen Strom will es, das Volk. Ja, wie soll das denn funktionieren, hm, Volk? Da wird man wieder ordentlich uniformiertes Volk hinschicken müssen, um bissl zu deeskalieren. Soll ja friedlich bleiben, das Volk. Da hat man ihnen die Einheit gekauft, und die Freiheit, Mario Barth bis zum Abwinken zu gucken, und sind sie zufrieden, die Leute? Nix. Überhaupt, der seit einiger Zeit zu beobachtende Trendsport „Ziviler Ungehorsamist doch eine saublöde Idee. Und wer war noch mal dieser Gandhi?

Oh, und schauen Sie sich zur Feier des Tages der Deutschen Einheit unbedingt diese witzige Arbeit des Stuttgarter Fotografen Heiko Hellwig an! Sie trägt den Titel „Wir sind das Volk – Virtuelle Menschenkette“. Der Tipp kam von Juliane Spitta, über Dr. Glunk.




%d Bloggern gefällt das: