365 x Deutschland


182. Deutschland, hör auf deine alten Säcke II

Da jammere ich immer, dass wir keinen Leonard Cohen haben, keinen Bob Dylan, noch nicht mal einen Bruce Springsteen. Gibt’s denn bei uns wirklich keine guten alten Männer? Schnell, wer fällt Euch da ein? Muss ja kein Popstar sein … den Gauck hielt ich mal für eine Option, der hat allerdings inzwischen viel Schmarrn geredet. Gut, wir haben immerhin noch den Raucher. (Und Rauchen ist, wie jeder weiß, in gewissen Zusammenhängen – und gerade im Fernsehen – sogar eine künstlerische Handlung, ganz gleich, wie oft sich die Anti-Raucher-Nazis darüber beschweren.) Aber vor allem haben wir den ganz großartigen Alexander Kluge. Der ist ein echter Popstar, auf seine Weise.



174. Braun II, oder: Wie wird eine deutsche Frau zur Neo-Nazisse?

Bereits eine meiner ersten Kolumnen in der GAZETTE beschäftigte sich mit weiblichen Nazis  – und  ich kapiere heute so wenig wie damals, dass es nach dem Holocaust überhaupt noch Nazis gibt. Am allerwenigsten verstehe ich, wie Frauen da mitmachen konnten/können. Das ist natürlich ein Vorurteil, deshalb höre ich meiner Schwiegermutter (86) sehr genau zu, wenn sie erzählt, wie das damals war, wenn man nicht zu den Gruppenabenden wollte. Und ich weiß auch, dass es KZ-Wärterinnen gab, und flammende Hitler-Verehrerinnen aus den besten Kreisen, darunter übrigens Coco Chanel und Wallis Simpson, die heute noch von politisch unbeleckten Modefuzzis als Stil-Ikonen gefeiert werden. Ulrike Heidenreich hat in der Süddeutschen Zeitung vom 21./22. Januar 2012 einen aufschlussreichen Artikel über Nazissen veröffentlicht, den ich online nicht gefunden habe und deshalb hierher kopiere :

SZ Januar 2012 I
SZ Teil 2

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken. Die Qualität lässt zu wünschen übrig, das bitte ich zu entschuldigen. Versuchen Sie dennoch, diese Analyse zu lesen, denn das Thema ist wichtig: Die verkorksten Gören in Springerstiefeln von vor zehn Jahren sind inzwischen in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen“. Es leben ja nur noch wenige Zeitzeugen, die den jungen Frauen im O-Ton, so von Mensch zu Mensch, verständlich machen könnten, was sich aus derlei Gedankengut entwickelt; meine Schwiegermutter zum Beispiel, oder Marcel Reich-Ranicki. Hier seine Rede vor dem Bundestag im Wortlaut. Ist es wirklich das, was diese Weiber mit ihrer Deutschtümelei erreichen wollen?

Nachtrag: Heike Pohl empfahl mir diesen Link – hier wird so eine braune Übermutter vorgestellt. Interessante Lektüre.



172. Nochmal Kultur

Für alle, die beim Paul-Klinger-Filmabend am 14. November 2011 in München nicht dabei sein konnten, zum Anklicken und Ansehen das bewegende Filmdrama von 1947 „Ehe im Schatten“ (Regie: Kurt Maetzig) in sehr guter Qualität und voller Länge (via).



171. Nachruf auf eine deutsche Radio-Sendung

Seine Stimme begleitete mich seit meiner Kindheit – aber ich hatte bis heute noch nie ein Foto von ihm gesehen. Hier sind viele. Und jetzt ist die „Sonntagsbeilage“ weg – die Sendung, die mir Michael Skasa zum Inbegriff des spitzfindigen Radio-Feuilletonisten werden ließ: Die Sonntagsbeilage in Byern 2. Unangepasst und profund gebildet, hochmusikalisch, frech und professionell. Mei, schad. Alles Gute zum 70., Herr Skasa. And may you stay forever young.

Michael Skasa



163. Schöne neue Welt der Selbstvermarktung

 

Cover_1_neu KopieDiese ganze Ich-AG-Entwicklung ist richtig blöd, wenn eine/r zwar Talent zum Schreiben hat, aber keines dazu, sich selbst zu vermarkten. Ego-Branding heißt das auf Neudeutsch. Zum Glück verfüge ich über eine gewisse Großmäuligkeit, deswegen sind Sie hier. Zur Erinnerung: Dieses Web-Tagebuch, das sporadisch deutschen Alltag beobachtet und kommentiert, entstand aus Ärger (siehe Eintrag Nr.1) über die Verlagsbranche, die ihren Job inzwischen einfach grottenschlecht macht. Natürlich gibt es Ausnahmen. Nur: Ich lebe mit einem – in Intellektuellen-Kreisen wohlbekannten – Sachbuch-Autor, und selbst bei dessen Büchern, inzwischen sind es 14 oder 15, schielen die Damen und Herren Verleger/Lektoren jetzt auf „Publikumswirksamkeit“ und „Marktwert“, frei nach dem Motto „also, Vampir-Romane wären der Bringer“. So was Dämliches, wenn einer lieber über Joyce schreibt oder Balladen-Sammlungen herausgibt. Also bitte, tun Sie mir den Gefallen und „liken“ Sie wenigstens mein Buch, wenn Sie einen Facebook-Account haben: einfach auf den Link gehen und dort „Gefällt mir“ klicken. Danke sehr.



159. Nachtrag zu Nr. 151

Update: Leander Wattig machte unlängst auf diesen Beitrag in der Welt aufmerksam: Unsere Verwandtschaft mit den Engländern ist ja nicht nur auf den Adel beschränkt.



157. Amtsschimmel

Was ist Kunst? Die Antwort auf diese Frage sollte man nie dem Finanzamt  überlassen, geschweige denn dem Zoll . Zur Aktion „Stolpersteine“ siehe auch das Stichwort München im Lexikon der deutschen Ärgernisse. 




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