365 x Deutschland


174. Braun II, oder: Wie wird eine deutsche Frau zur Neo-Nazisse?

Bereits eine meiner ersten Kolumnen in der GAZETTE beschäftigte sich mit weiblichen Nazis  – und  ich kapiere heute so wenig wie damals, dass es nach dem Holocaust überhaupt noch Nazis gibt. Am allerwenigsten verstehe ich, wie Frauen da mitmachen konnten/können. Das ist natürlich ein Vorurteil, deshalb höre ich meiner Schwiegermutter (86) sehr genau zu, wenn sie erzählt, wie das damals war, wenn man nicht zu den Gruppenabenden wollte. Und ich weiß auch, dass es KZ-Wärterinnen gab, und flammende Hitler-Verehrerinnen aus den besten Kreisen, darunter übrigens Coco Chanel und Wallis Simpson, die heute noch von politisch unbeleckten Modefuzzis als Stil-Ikonen gefeiert werden. Ulrike Heidenreich hat in der Süddeutschen Zeitung vom 21./22. Januar 2012 einen aufschlussreichen Artikel über Nazissen veröffentlicht, den ich online nicht gefunden habe und deshalb hierher kopiere :

SZ Januar 2012 I
SZ Teil 2

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken. Die Qualität lässt zu wünschen übrig, das bitte ich zu entschuldigen. Versuchen Sie dennoch, diese Analyse zu lesen, denn das Thema ist wichtig: Die verkorksten Gören in Springerstiefeln von vor zehn Jahren sind inzwischen in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen“. Es leben ja nur noch wenige Zeitzeugen, die den jungen Frauen im O-Ton, so von Mensch zu Mensch, verständlich machen könnten, was sich aus derlei Gedankengut entwickelt; meine Schwiegermutter zum Beispiel, oder Marcel Reich-Ranicki. Hier seine Rede vor dem Bundestag im Wortlaut. Ist es wirklich das, was diese Weiber mit ihrer Deutschtümelei erreichen wollen?

Nachtrag: Heike Pohl empfahl mir diesen Link – hier wird so eine braune Übermutter vorgestellt. Interessante Lektüre.

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53. Style

Warum haben diese Wintertage in München eine so merkwürdige Wirkung auf mich? Durch die Kälte scheint es, als sei jeder ein wenig geschrumpft, beanspruche weniger Platz. Vielleicht tragen die Leute deshalb eine derart schaurige Kleidung.“ Das schrieb Cees Nooteboom 1983, in „Die Dame mit dem Einhorn – Europäische Reisen“(Suhrkamp, dt. von Helga van Beuingen). Damals sah man hier noch eine Menge Pelz und Loden. Er sollte mal gucken, was für schauerliche Styles es heute zur gängigen Streetwear bringen! Am schlimmsten ist in dieser Saison das Anorak-Unwesen – tausende von hochglänzenden Schlafsäcken und Bettwürsten schlittern im Schneetreiben an einem vorbei.



36. Die Farbe Rosa, oder: Geschlechterkampf revisited II

Neben Kardinalslila und (Entschuldigung:) Kackbraun ist Schweinchenrosa wahrscheinlich eine jener Farben, die dem Auge wirklich nicht besonders wohl tun. Wieso konnte sich dann Rosa als Lieblingsfarbe kleiner Mädchen etablieren? Klar, Kinder haben einen grässlichen Geschmack – aber doch keine Scheckkarte. Also muss man die Eltern zur Verantwortung ziehen, die wären theoretisch für Geschmacksbildung zuständig. Wo aber bleibt die? Irgendwie auf der Strecke. Denn bereits Omi sortiert bei der Frage an die (Schwieger-)Tochter „Mädchen oder Junge?“ mental in rosa und hellblau. (Das mit dem Hellblau wird gesondert behandelt werden. Bleiben Sie dran. Vorläufig nur so viel: Es gab Zeiten, da war Pink die Buben-Farbe – nachzulesen u. a. hier).

Mutti macht weiter mit dem Unsinn: Rosa Bärchen, rosa Täschchen, rosa Söckchen. Das weibliche Kind gewöhnt sich an rosa Sachen, hält sie für normal, ja: schön. Und wenn Töchterchen sich im Einkaufszentrum (igitt) schreiend auf den Boden schmeißt, ist anscheinend sogar Papi wehrlos und kauft noch ein Ding in Pink. So weit, so schlüssig. Doch halt: Steckt hinter dem Pink-Wahn am Ende mehr? Emma und Abi Moore haben PinkStinks ins Leben gerufen, eine Kampagne, die sich damit beschäftigt, auf welche Rollenvorbilder rosa Prinzessinnen-Kleidchen und und rosa Plastik-Schminktische für Dreijährige (!) den weiblichen Nachwuchs einschwören. Sie kommen zu dem Schluss, dass Rosa etwa so viel mit Weiblichkeit zu tun hat wie die gebundenen Füße asiatischer Frauen früherer Jahrhunderte…

Auf die längst fällige Aufdeckung einer gigantischen Verschwörung der Hersteller von rosa Mädchen-Schund reagiert der katholische Nachrichtendienst kath.net indes ganz eigenartig: „Hat der `Kampf gegen den Patriarchalismus´ die Vaterrolle gehörig demoliert, hat die feministische Bewegung die Frauen von ihrer Mutterrolle `emanzipiert´, so setzt `Pinkstinks´ – skurril genug, um keinen Widerstand zu provozieren – an der Wurzel an: bei den Kindern.“ Jessasnaa, sollen jetzt schon die lieben Kleinen feministisch indoktriniert werden? Um Himmels Willen, wo kommen wir denn da hin! Dann kann ja bald wirklich keine Frau mehr kochen. Wir werden verhungern. Mamiiii!

So weit kommt's noch

Nachtrag: In Großbritannien gilt „Feministin“ mittlerweile als ganz schlimmes Schimpfwort. Zum Glück dissen sich deutsche Jugendliche immer noch gender-unspezifisch als „Du Opfer!“.




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