365 x Deutschland


183. Alles auf eine „Gesundheits“-Karte setzen

Habt Ihr auch schon die neue Krankenkassenkarte – mit Lichtbild? fefe verlinkt heute auf die WAZ (ich werd den Teufel tun, googelt doch selbst): da steht, dass die leicht zu hacken ist. Hat das deutsche Gesundheits-Unwesen erwartungsgemäß verkackt. Mir fällt dazu nichts mehr ein.

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113. Internationaler Tag des Friedens, oder: Seid lieb zu Tieren II

Tiere haben keine Gefühle? Soso. Wer jemals gesehen hat, wie etwa der Hund einen anschaut, wenn man nach Schlüssel und Tasche greift und Anstalten macht, das Haus zu verlassen, OHNE IHN, der hat eine anschauliche Erklärung von „vorwurfsvoll“, falls er oder sie zufällig mal eine braucht. Oder die „dumme Kuh“ – eine Invektive, die ich durchaus schon verwendet habe: Hornvieh ist tatsächlich nur in dem Sinn dumm, dass es sich vertrauensvoll mit Schnellmastfutter versorgen und anschließend zur Tötungsmaschinerie führen lässt… So warte ich jetzt mit Grauen darauf, dass meine Freundin Jonathan Safran Foers Buch Fleisch essen gelesen hat und mir leiht. Natürlich habe ich keine Lust, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hat kaum jemand. Aber ich habe auch immer weniger Lust, die unter grässlichen Bedingungen produzierte Ware der Fleischlieferanten zu verspeisen. Für heute hat die UN den „Tag des Friedens“ ausgerufen. Die meisten werden es ausgesprochen weibisch finden, wenn eine sich einbildet, durch fleischlose Kost zum Weltfrieden beizutragen. Hehe, oder? Aber was, wenn es einmal viele sein werden? Und kommt mir jetzt nicht mit all den arbeitslosen Schlachtern.



111. Das ist doch ein Witz
15. September 2010, 14:52
Filed under: Deutschland, Gesundheits-Politik, Was fehlt uns denn? | Schlagwörter: , , ,

Kennen Sie den? Es gibt ein neues Spiel nur für Ärzte, das geht so: Auf einem quadratischen Spielfeld liegen in der Mitte € 50.000,- – nun nehmen in je einer Ecke des Felds Aufstellung: ein guter Orthopäde, ein schlechter Orthopäde, ein Chirurg und ein Radiologe. Wer am schnellsten beim Geld ist, bekommt es. Wer gewinnt? Immer der schlechte Orthopäde. Wieso? Ganz einfach, die linke obere Ecke bleibt stets leer bei diesem Spiel – es gibt keine guten Orthopäden. Der Chirurg hat die Spielregeln nicht verstanden, und der Radiologie setzt sich für läppische € 50.000,- nicht in Bewegung…

(Disclaimer: Ich verwahre mich selbstverständlich gegen die Verunglimpfung einer ganzen Berufsgruppe. Wäre doch gelacht, wenn da auch nur ein Körnchen Wahrheit dran wäre. Danke, Christiane!)

Nachtrag: Bono hat gestern während seines München-Konzerts den Bayern-Doc gelobt. Okay, gibt es also  e i n e n guten Orthopäden. Aber der würde sich wegen der 50.000.- natürlich auch nicht in Bewegung setzen.



94. Deutschlandfahnen schwenken

Ich hatte mich in meinem Stammcafé verabredet – unpraktischerweise genau zu dem Zeitpunkt, als das Fußballspiel zu Ende war, und nicht überrissen, dass die Leopoldstraße hier „Fanmeile“ ist. Bei dem Getröte – diese archaisch anmutenden Vuvudingsda-Hörner machen richtig Lärm – bekam ich Kopfschmerzen, noch bevor ich das Lokal erreichte. Drinnen lief, natürlich, die Glotze, in der brüllend erörtert wurde, warum „Schweini“ gelb-rot gesehen hatte. Draußen fuhren die Fans der Gewinner-Mannschaft Hup-Korso; zuerst dachte ich: Interessant, wie viele Serben es in München gibt. Bis mir auffiel, dass es immer die selben Autos waren; die wendeten wohl am Siegestor und bogen an der Freiheit wieder ein. Die genervte junge Frau, mit der ich ins Gespräch kam, hatte ihren kleinen Sohn auf seinen Wunsch vor dem dröhnenden TV-Gerät platziert und ärgerte sich lauthals über die fahnenschwenkenden Jugendlichen: „Da identifizieren sie sich plötzlich mit ihrem Land! Statt dass die sich für etwas Wichtiges engagieren! Gäb ja wirklich genug – wie wär’s mit ein bisschen Protest gegen den Westerwelle und seine Bande?“ – „Ja“, meinte ich, „den Fußballtaumel nutzen sie zum Beispiel gerade, um die ‚Gesundheitskarte‘ durchzuwinken.“ (Sogar Dr. Geldgier will aus der FDP austreten, wenn das passiert. Besser spät als nie, Mann!) Ein mitfühlender Mensch hatte inzwischen den Fernseher abgestellt, und in die plötzlich entstandene Stille sagte die junge Frau nachdenklich: „Man muss doch irgendetwas unternehmen.“ Ich gab ihr die Adresse dieses Blogs, mehr fiel mir auch nicht ein. Inzwischen war mein Date eingetroffen, und wir gingen hinaus in den Nachmittag, wo die Jugendlichen mit ihren Deutschlandfahnen durch den Regen schlappten.

Nachtrag: In ICH WILL HIER WEG, ABER WOHIN? Lexikon der alltäglichen deutschen (und wenn wir schon dabei sind, überhaupt) Ärgernisse – siehe Eintrag 1. – steht zum Stichwort „Deutschlandfahnen schwenken“:

Im Grunde hat Günter Grünwald recht, wenn er sagt, das Absingen des Bayern-Liedes („Gott erhalte…“, nicht „Olé, olé, oléoléolé“, das wird in den Stadien gern verwechselt) dürfe man auf keinen Fall den Rechten überlassen. Analog dazu müsste sich jeder rechtschaffene Bürger – und zwar nicht nur zu Fußball-WM- oder EM-Zeiten – so ein Stück schwarz-rot-gelben Stoff besorgen und irgendwo heraushängen lassen. Das Problem ist jedoch unter anderem auch ein Ästhetisches: Ich finde in meiner Umgebung einfach keinen Platz, wo diese Farbkombination hinpassen würde.



79. A Propos „Gesundheitswesen“

Nein, wirklich, ich mag Ärzte. Einige meiner besten Freunde sind welche. (Das war gelogen. In unserem Bekanntenkreis findet sich genau einer, aber der ist sehr nett.) Leider haben Mediziner keinen guten Ruf; in der Beliebtheitsskala rangieren sie irgendwo zwischen Bankern und Journalisten, also ziemlich weit unten. Was ein bisschen ungerecht ist, da Krankenkassenvorstände oder Arzneimittelhersteller wahrscheinlich die unangenehmeren Zeitgenossen sind und nebenbei nicht so viele Leben retten (jedoch sicher genauso viele lebensgefährliche Fehlentscheidungen treffen wie ein durchschnittlicher niedergelassener Doktor). Kein Wunder also, dass im schönen Deutschland bald ein eklatanter Mangel an Halbgöttern in Weiß herrschen wird. Der Rösler – seine Klientel nennt ihn den „sanften Rambo“ oder gleich „Kassen-Kennedy – will deshalb den Numerus Clausus abschaffen und Medizinstudenten mit Vergünstigungen ködern, wenn sie hoch und heilig versprechen, nach Abschluss des Studiums als Landarzt zu praktizieren. Zwei im Prinzip völlig richtige Schritte, denn gute Noten in Mathe und Kunst, Sport und Französisch nützen nur bedingt, wenn es darum geht herauszufinden, ob Omi apoplektisch ist oder nur tödlich gelangweilt vom Nachmittagsprogramm. Zudem werden die Leute zwar immer älter, auch in der Pampa, nur Ärzte ziehen keine mehr aufs Land. Ist irgendwie verständlich: Zu all den Verwaltungsschikanen und dem nicht mehr ganz so üppigen Verdienst auch noch Hausbesuche, echt, oder? Wäre schön, wenn wir tatsächlich auf eine neue Generation von Ärzten hoffen dürften, die (außerhalb des Fernsehens) gern Landarzt ist und davon gut leben kann; den Älteren unter uns bliebe ja immer noch das sozialverträgliche Frühableben. Das Problem mit dem Rösler ist nur, dass er a) in der falschen Partei ist und es b) deshalb nicht schaffen wird, dieses Gesundheitsunwesen vom Kopf auf die Füße zu stellen. Das wird die Pharmalobby – gemeinsam mit ihrer buckligen Schwester, der Kassenmafia – zu verhindern wissen. Übrigens: Rein rechnerisch hat jeder Deutsche, vom Baby bis zum Greis, letztes Jahr 3210,- Euro für Gesundheit ausgegeben, sagt das Statistische Bundesamt. Das ist kurioserweise etwa die Summe, die eine 85-jährige Dame in unserem Bekanntenkreis, die über 400,- Euro Rente im Monat verfügt, ihrem Zahnarzt hinblättern soll. Hat sie doch lässig in acht Monaten abgestottert… vorausgesetzt, sie isst nichts, mit ihren neuen Zähnen.



78. Weltgesundheitstag

Ärzte sind ja solche Spielverderber. Erzählen einem immer, dass man mit zu viel Rauchen / Essen / Trinken aufhören muss, und wenn’s hart auf hart kommt, schicken sie dich zum Fachkollegen, der fragt, warum du denn so viel geraucht / gegessen / getrunken hast, statt Sport zu machen. Sport! Diese Komiker. Unwahrscheinlich komisch sind auch Ärzte, die selber saufen (davon gibt’s mehr, als Sie wissen möchten). Oder selber finden, dass sie lustig sind, und „Comedians“ werden und ihren Patienten alberne Glücksratgeber im Merchandising-Paket mit Stoffpinguinen verschreiben. Lachen ist ja so gesund. A propos: Auch trinken soll man natürlich ganz viel, aber bitte nur Wasser und Früchtetees (igitt). Anscheinend existiert da eine Verschwörung der Frauenzeitschriften und Mineralwasserabfüller im Verband mit Herstellern von Früchtetees bzw. isotonischen Getränken. Oder warum sieht man jetzt überall diese Pipimädchen mit ihren Plastikflaschen herumlaufen? Bei vielen baumeln die Behälter schon griffbereit außen am Rucksack, als wäre Deutschland eine Wüste (was es sicher in Hinsicht auf mancherlei ist, wenn auch nicht gerade auf Wasser) oder das Warten auf die Straßenbahn eine schweißtreibende Angelegenheit. Aber vielleicht haben die alle mit 17 schon Angst vor Hautalterung und Nierensteinen … was für eine grässliche Welt. Aber: Hauptsache gesund, gell?



47. Programm-Hinweis

Deutsches Fernsehen muss oft herbe Kritik einstecken; auch den Dritten wird inzwischen vorgeworfen, sie würden zunehmend nach der Quote schielen und deshalb ohne Ende Schrott produzieren. Doch man findet immer wieder kleine Juwelen. Heute zum Beispiel wollen wir uns alle mal vor die Glotze hocken, denn da gibt es auf WDR 3 die Sendung „sport inside“ (22.45 Uhr) – und einer der Beiträge stammt von unserem Freund Jürgen Kalwa (American Arena): In „Das Elend der Gladiatoren“ geht es um die Spätfolgen, mit denen ehemalige amerikanische Football-Profis zu kämpfen haben. Kalwa: „Viele werden nicht nur körperlich von der Knochenmühle verschlissen. Eine beachtliche Zahl entwickelt als Folge der vielen Gehirnerschütterungen früh Demenz und Alzheimer. Nur: Wer medizinische Hilfe oder gar Pflege braucht, braucht auch Geld. Vom amerikanischen Krankenversicherungssystem werden solche Menschen ignoriert. Das Elend der Gladiatoren wurde von der Liga ebenso wie von der Spielergewerkschaft jahrelang verharmlost und ignoriert. Der Beitrag dokumentiert der Stand der Dinge sowie den langsamen Umdenkprozess, zu dem beachtlicher Druck aus dem amerikanischen Kongress beigetragen hat.“

Wie ist es eigentlich um die (geistige) Gesundheit deutscher Sportler bestellt? Lesen Sie dazu den Eintrag Nr. 9




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