365 x Deutschland


193. Tag der Deutschen Einheit

Eine historische Leistung, mit harten Devisen erkauft. Ganz prima. Gewaltfrei. Leider wurde „der Beitritt“ gesäumt von Versäumnissen. Dass wir den Kasino-Kapitalismus haben gewinnen lassen, ist eines davon. Dazu zwei Alltagsbeobachtungen:

1. Ein Freund, IT-Leiter eines großen deutschen Unternehmens, erwähnte unlängst während eines Gesprächs über den religiös anmutenden Apple-Hype, dass ihn fast jede Woche diverse Abteilungsleiter praktisch mit Tränen in den Augen um ein iPhoney anhauen: „Sie schämen sich, wenn sie im Flugzeug neben einem Apfel-Adepten sitzen und ihr FlachBerry zücken müssen“, berichtete er, „unfassbar. Erwachsene Männer. Manche haben Familien, alle haben recht nette Jahreseinkommen. Sozialneid kann es nicht sein. Sie könnten sich das Ding ja kaufen.“

2. Ein Kollege, der in den Kreisen der Superreichen als Salonkommunist geduldet wird, war zu einer privaten Veranstaltung eingeladen, in deren Verlauf, so erzählte unser Gewährsmann, einige Vorstände von DAX-Unternehmen und Großbanken sich angeregt darüber unterhielten, dass das mit dem Euro sowieso den Bach runtergehen würde und wie man sein Vermögen denn nun wirklich in Sicherheit bringen könnte. Sie kamen auf die Idee, in eine deutsche Kolonie in Kanada zu gründen, mit kanadischer Staatsbürgerschaft, versteht sich, um dort unbehelligt vom deutschen Fiskus untereinander Geschäfte machen zu können.

Irgendwie krank.

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169. Trotzdem schönen Wüstenrot-Tag!

Hatte wieder einen hohen Bäh-Faktor, dieses zur Neige gehende Jahr. Guttenberg. Bunga-Bunga. Wiege der Demokratie. 1 Prozent gegen die übrigen 99 Prozent. Gescheiterte Gipfel. Pressefreiheit „ungarischer Stil“. Hedgefonds. Wasserwerfer Marke Stuttgart 21. „Pro Christ“ian Wulff. Maschmeyer (inkl. Vroni „Yikes“ Ferres). Der Irre von Oslo. Euro-Rettungsschirm-Hebel. Hunger in Afrika, und nicht zu knapp. Kriegsähnliche Zustände, immer noch. Rechts-Terrorismus; Zeit wurd’s, dass auch die „breite Öffentlichkeit“ das Ausländer-Klatschen beim korrekten Namen nennt. (Was die Blindheit unserer Verfassungsorgane auf dem braunen Auge – und ihre Hysterie, wenn es um „linkes“ Gedankengut – angeht: Das Wort „Gentrifizierung“ steht mittlerweile in der Münchner Abendzeitung, ohne dass ein rote Flagge aufleuchtet, während man 2011 manchen Leuten immer noch den Fall Andrej Holm erklären musste.) Pfui Geier. À propos: Die Labor-Vogelgrippe kommt. Und Kernkraft ist und bleibt ein Spiel mit dem Tod. Eurem und dem Eurer Kinder, Ihr verbrecherischen Energiefürsten von Tepco, E.On & Co., übrigens genauso, auch wenn das das nicht in Eure Spatzenhirne geht. Sonst was Neues? Siehe Eintrag 31: Lieblingswörter des letzten Jahres. Tschä. Hat sich nicht so furchtbar viel geändert.

Für weitere zielführende Informationen schlagen Sie bitte bei Dr. Vogl nach.



168. Das höchste Amt

Was mich am meisten nervt an diesem verkniffenen „Besser die Wahrheit“ – Schwurbler: Seine Nähe zu den Evangelikalen. Dürfen Christen eigentlich lügen? Im Zusammenhang mit seiner ach so viel beachteten Islam-Äußerung habe ich mich bereits furchtbar über den Schafspelz des Christian „Pro Christ“ Wulff aufgeregt. Seltsamerweise ist die Journaille schon damals nicht auf das Thema Fundamentalismus eingestiegen.



165. Der Papst auf Mission nach innen
22. September 2011, 09:45
Filed under: Deutschland, Filme, Kirche, Pfaffen, Wo bleibt das Positive? | Schlagwörter: , , , , ,

Aus gegebenem Anlass heute ein Zitat aus dem Lexikon der deutschen Ärgernisse

Päpste

Männer in Röcken! Alte Zausel, die aussehen wie böse Omis – und sich ungefragt in die Beischlaf- und Verhütungsgepflogenheiten wildfremder Menschen einmischen! Geht’s noch? Als der letzte starb, soll die polnische Putzhilfe meiner Freundin geweint haben; ja, den mochten die Leute irgendwie. Aber der jetzige, der „Wir sind Papst“-Papst! Jungejunge. P. können unfehlbare Statements abgeben. Wir anderen nennen es Altersstarrsinn (siehe dort).

Zur Entspannung empfehle ich „Agora“ von Alejandro Amenábar – der Spanier zeigt schön kitschig, wie es gewesen sein k ö n n t e, als die Christen sich noch von einer Sekte unter vielen zur Leitkultur-Instanz hochschlägern mussten.



91. Spar-Paket mal anders

Man kann ja über den Spiegel meckern, so viel man will, aber dieser kleine Bericht von Spiegel-TV kam schon recht passend zu Merkels Spar-Paket: Die Steuerzahler sponsern sowohl katholische und als auch evangelische Bischöfe und Einrichtungen mit erklecklichen Beträgen. Der Deal basiert auf einem 200 Jahre alten Papier und könnte jetzt langsam mal auslaufen – die Herren brauchen den Soli nun wirklich nicht sooo dringend … unsere Gesellschaft hingegen hätte ihn bitter nötig. Aber Matthias Greffrath zweifelt in einem Interview bei Kulturzeit ohnehin daran, dass wir überhaupt noch „e i n e Gesellschaft“ sind. Genau wie übrigens Georg Schramm in seinem letzten Auftritt in der ZDF-Anstalt, wo er den „Leistungsträgern“ die Leviten liest;



90. Unser aller Sparkassendirektor soll einen Fundi-Christen als Nachfolger bekommen? Danke, aber nein danke.

Bei fefe (über mediaclinique) konnte man einen gut recherchierten Artikel von EsoWatch finden: Christian Wulff gehört anscheinend zum Kuratorium Pro Christ, einer evangelikalen Missionierungsbewegung. Da kommen natürlich unangenehme Erinnerungen auf: Wollte nicht der weltbeste Skifahrer Althaus seinerzeit ein Schulbuch der Kreationisten einführen – in trauter Zusammenarbeit mit einem Münchner Professor? Gott beschütze uns vor solchen Politikern. Und so einen wollen sie uns als Nachfolger des tolpatschigen Sparkassendirektors präsentieren? Hallo? Geht’s noch? Lesen Sie bitte dazu die Ruhrbarone – vor allem auch die Kommentare… Guido wird sich freuen, Christians Gesinnungsgenossen glauben nämlich: Schwulsein ist heilbar. Na dann viel Spaß.

Nachtrag:Sieh an, DIE ZEIT hat das Thema aufgegriffen.



86. Mutter Kirche, Vater Staat

Warum haben wir es eigentlich nie geschafft, uns eine laizistische Verfassung zu geben, wie, sagen wir, Frankreich? Dann könnte man jetzt aus der Kirche austreten, ohne dafür auch noch Gebühren abdrücken zu müssen. Der krasseste Fall, den dieser Panorama-Beitrag schildert, handelt von einem Ossi, der 10.000 Euro Kirchensteuer nachzahlen soll, weil er sich in der DDR nicht korrekt von der Kirche abgemeldet hatte. In der DDR! Wo sie nun wirklich wenig am Hut hatten mit Pfaffen jeder Couleur. Was für eine grandiose Heuchelei. Und wie hübsch sie immer noch zusammenarbeiten, Vater Staat und Mutter Kirche, in den einschlägigen Institutionen. Kindesmissbrauch? Misshandlungen? Ach, drücken wir mal ein Auge zu, wird schon nicht so schlimm sein… Wie lange mag es wohl dauern, bis die Kinder / Enkel von Alten in konfessionell geführten Senioren- und Pflegeheimen genauer hinschauen, was dort so abgeht? Der Witz dabei: Selbst ein in der Wolle gefärbter Ungläubiger hat doch die unterschwellige Hoffnung, dass Leute, die an einen „lieben“ Gott glauben, nicht ganz so hart drauf sind wie der Rest der Bevölkerung. Schon aus Schiss vor eben diesem Gott, der zwar im Prinzip „lieb“ ist, dem aber schon mal die Hand ausrutscht, wenn gar zu doll gesündigt wird. Aber nix. Den Jesus-Freaks rutscht anscheinend genauso oft die Hand aus, oder Schlimmeres. Meine Mutter musste im Internat des Klosters der Heimsuchung zu Zangberg (nomen est omen) auf einem Holzscheit knien, wenn sie etwas „angestellt“ hatte. (Damals ganz normale Erziehungsmethoden, würde der Mixa sagen.) Das arme Mächen. Gott sei Dank heiratete sie später einen Atheisten.

Nachtrag: Im Kommentar weist unser Berater in theologischen Fragen, Dr. Vogl, auf eine Seite hin, die dieses Thema schon viel besser bearbeitet hat. Lesen Sie das.




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