365 x Deutschland


181. Stimmt gar nicht, dass ihn keiner mag

Irgendwie findet eine vielbeschäftigte Frau ja nie die Zeit, sich bei diesen Jahrmärkten des gesponserten Geschwätzes einzufinden, deshalb danke ich Spiegel online für das Bereitstellen von Sascha Lobos Vortrag auf der re:publica 2012. Also, ich mag Lobo, so halb. Der selbstrückbezüglich-Bindestrich-ironisierende Habitus nervt, zugegeben. Auch das Lispeln. Dennoch: Sollte der Mann jemals lernen, seine Gedanken auf Ted-Format (18 Minuten) zu verdichten, würden ihm manche, die ihn jetzt als eine Art Bonsai-Sloterdijk 2.0 abtun, vielleicht aufmerksamer zuhören.

Teil 1

Schon ermüdend, nicht wahr? Egal. Hier der Rest zum später Angucken:

Teil 2




176. Deutschland, ein Wintermärchen

Als gestern die Heizung ausfiel – oh, toll, das Thermometer zeigt zehn Miese und es ist Freitag – und die Bude hübsch auskühlte, fand ich während des Wartens auf den Monteur diesen Text der Kollegin Heike Pohl: Eine herzerwärmende Wintergeschichte.



163. Schöne neue Welt der Selbstvermarktung

 

Cover_1_neu KopieDiese ganze Ich-AG-Entwicklung ist richtig blöd, wenn eine/r zwar Talent zum Schreiben hat, aber keines dazu, sich selbst zu vermarkten. Ego-Branding heißt das auf Neudeutsch. Zum Glück verfüge ich über eine gewisse Großmäuligkeit, deswegen sind Sie hier. Zur Erinnerung: Dieses Web-Tagebuch, das sporadisch deutschen Alltag beobachtet und kommentiert, entstand aus Ärger (siehe Eintrag Nr.1) über die Verlagsbranche, die ihren Job inzwischen einfach grottenschlecht macht. Natürlich gibt es Ausnahmen. Nur: Ich lebe mit einem – in Intellektuellen-Kreisen wohlbekannten – Sachbuch-Autor, und selbst bei dessen Büchern, inzwischen sind es 14 oder 15, schielen die Damen und Herren Verleger/Lektoren jetzt auf „Publikumswirksamkeit“ und „Marktwert“, frei nach dem Motto „also, Vampir-Romane wären der Bringer“. So was Dämliches, wenn einer lieber über Joyce schreibt oder Balladen-Sammlungen herausgibt. Also bitte, tun Sie mir den Gefallen und „liken“ Sie wenigstens mein Buch, wenn Sie einen Facebook-Account haben: einfach auf den Link gehen und dort „Gefällt mir“ klicken. Danke sehr.



127. Lassen Sie mich durch, ich bin Schaulustiger

Wenn die TV-Nachrichten mit einem Unfall bei Opa Gottschalks Sendung aufmachen, haben plötzlich auch Leute, die nicht unbedingt Fans massentauglicher Fernsehunterhaltung sind, Stoff für den Montagmorgen-Plausch im Büro. Das ist doch schön. Dass sich so eine „Sensations“-Meldung via twitter schnell verbreitet und das, was die Gestörteren im Publikum mit ihren Kameras eingefangen haben, prompt als Video hochgeladen – und massenhaft angeklickt – wird, ist schon nicht ganz so schön. (Einen nachdenklichen und einfühlsamen Kommentar zu diesem Phänomen lesen Sie hier.) Es entspricht allerdings der täglichen Erfahrung von Feuerwehrlern, Polizisten und Krankenwagenfahrern bei Unfällen auf deutschen Straßen und Autobahnen: Die kommen oft nur mit Mühe zum Einsatzort, weil die Gaffer im Weg stehen. Das sei doch nur menschlich, sagen Sie? Da könnte man lange über den Begriff „Menschlichkeit“ nachdenken, und das Ergebnis dieser Bemühung wäre wahrscheinlich überhaupt nicht schön. Und richtig eklig wird’s, sobald man die ach so menschliche Gafferei ein bisschen weiterdenkt und, mal so zum Beispiel, ein echt krankes Hirn mit der Sensationsgier der Informationsgesellschaft kombiniert:

Hat schon einer gemacht, lief unlängst im ZDF. Ist ja nur ein Film.



99. Brot & Spiele

Wie die Politik das große Geld mobilisiert und den Sport utilisiert, um den Bürgersinn in Schlaf zu wiegen – darüber ärgert sich heute mediaclinique schwar(t)z.



70. SCHÖNEN GRUSS AUCH AN DIE DEUTSCHEN WIRTSCHAFTS“EXPERTEN“
13. März 2010, 13:29
Filed under: Deine Tiere, Deppenschelte, Social, Wirtschaft & Wahnsinn

Via Dr. Glunk: Der unmögliche Hamster!



66. Frauen in Deutschland II

Vom 5. – 14. März 2010 finden die 9. Germeringer Frauentage statt. Nein, nicht in der Stadthalle, die ist noch zu, denn Pfusch am Bau ist kein Kölsches Alleinstellungsmerkmal. Nee, ham wer auch in dieser bayrischen Großen Kreisstadt mit 38.513 Einwohnern, davon 18.383 Männer und 20.130 Frauen. Und jetzt eben die Frauentage; ihr Motto: „Frauen und Macht“. Merkwürdigerweise werden sie – anscheinend ist heute „Weltgebetstag der Frauen“ (???) – in einer Kirche eingeläutet. „Alles was Atem hat, lobe Gott“, na, ich weiß ja nicht, nach allem, was man zur Zeit so von den Gottesmännern hört… aber natürlich ist hier das Thema Macht besonders virulent. Die meisten Veranstaltungen in diesen neun Tagen werden tatsächlich von Frauen geleitet, nur bei der Frauen-Selbstverteidigung gibt es einen männlichen Referenten. Auch für Politik und Wirtschaft wurden – genau wie draußen im richtigen Leben – keine passenden weiblichen Ansprechpartner gefunden: Am 9. März lädt der Oberbürgermeister zur Sprechstunde „Bürgerinnen im Gespräch“, anschließend hält ein Herr Giesen den Vortrag „ Die Grundregeln des Business Games (sic) – was Frauen darüber wissen müssen“. Tja, so wirklich voran sind wir noch nicht gekommen mit der guten alten Gleichberechtigung. Wie damit alles anfing nach dem Krieg, konnte man gerade in der TV-Serie „Trümmerjahre an Rhein, Ruhr und Weser“ (Teil 2/4 „Zeit der Frauen“)  nachgucken. Dass dieses Gender-Ding noch längst nicht ausgestanden ist, zeigt übrigens ganz aktuell der Aufschrei der Männer (in den Kommentar-Threads), als ein weibliches Mitglied der Piraten-Partei eine Mailingliste „nur für Frauen“ ankündigte. Zu niedlich.

Nachtrag: Auf einer dieser Listen der einflussreichsten Blogger weltweit fehlen selbstverständlich die Frauen – und am Lustigsten fand ich, dass es dem Typen noch nicht mal aufgefallen war, bis ihn eine Kommentatorin darauf aufmerksam machte…




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