365 x Deutschland


196. Was ich an Deutschland mag III

Du kannst immer nur meckern, meckern, meckern.“ Quentin Tarantino zu George Clooney in „From Dusk till Dawn

Über Deutschland abzulästern ist einfach. Ich habe mich so lange im Blog über unsere Verhältnisse, Zustände und Verfasstheiten geärgert, bis ein ganzes Buch daraus wurde. Es ist ein Lexikon, und natürlich wird so etwas nie wirklich fertig, denn es tauchen ja dauernd neue Anlässe zum Sich-die-Haare-raufen auf. Aber ich habe versprochen, auch über Deutschlands gute Seiten nachzudenken. Derzeit muss ich mich jedoch ein wenig anstrengen, um vor mir selbst zu begründen, wieso ich eigentlich in diesem Land bleibe. („Geh doch nach drüben, wenn dir was nicht passt“: d a s habe ich lange nicht mehr gehört – und hier hätten wir bereits eine erste positive Entwicklung, immerhin.)

Nur: Merkel und Rösler, Steinbrück und Roth in der Mitte der Neo-Spießer-Gesellschaft mit all ihren erhobenen Zeigefingern und ihrer verkorksten Weltmeisterschaft in Vergangenheits“bewältigung“ und ihrer vorbildlichen Mülltrennung, dazu links außen Gesine „Klar brauchen wir so etwas wie die Stasi wieder, wenn der Kommunismus gesiegt hat“ Lötzsch, und am entgegengesetzten Ende des politischen Spektrums die antisemitischen braunen Vollidioten – uaaah. („Geh doch selbst in die Politik“, höre ich Fritz Effenberger sagen, aber das wird nix, solange die Piraten heuchlerisch über Post-Gender schwafeln und es nicht schaffen, sich deutlich gegen rechtes Pack abzugrenzen.)

Aber bitte, da ohnehin alles Private politisch ist, suche ich eben bei den persönlichen Vorlieben weiter. Hm. Über das deutsche Wetter musst du mit einer Wintersporthasserin nicht diskutieren; die Hälfte des Jahres ist suboptimal, drei Monate davon sind nachgerade unkuschelig. Gut, in Australien ist jetzt Sommer, aber die Freunde dort versichern glaubhaft, dass es sogar zu heiß ist, um auch nur mit dem Hund spazieren zu gehen. Freunde: gutes Stichwort. Natürlich könnte ich woanders neue Freunde finden. Aber meine alten würde ich doch schrecklich vermissen. Also, die Sorte Freunde, die problemlos in 30 bis 60 Minuten zu erreichen ist, wenn nötig, auch mitten in der Nacht. Halten wir fest: Was ich an Deutschland mag, sind meine Freunde. Was noch? Familie? Da kommt mir wieder Australien in den Sinn. Natürlich liebe ich meine Familie, aber lebte ich auf den Antipoden, sähe ich sie ungefähr so oft, wie ich sie sehen möchte.

Was also ist schön in Deutschland? Nun, wir haben keinen so schlimmen Smog wie China, weniger Arbeitslose als Spanien oder Griechenland, weniger Besoffene auf den Straßen als Großbritannien, bissl mehr Demokratie als Putins Russland und – trotz zahlreicher Durchstechereien – immer noch besseres Fernsehen als Italien. Das ist doch schon mal was… vielleicht fällt der geneigten Leserschaft noch mehr Positives ein?

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187. Vom jordanischen Fernsehen lernen

Das ist doch gleich viel munterer als unser Plasberg-,Will-etc.-Einheits-Talk-Karussell:

Via HuffPo – Israelis haben das Gezänk übersetzt – anscheinend ging es um Jordaniens Haltung gegenüber Syrien.



182. Deutschland, hör auf deine alten Säcke II

Da jammere ich immer, dass wir keinen Leonard Cohen haben, keinen Bob Dylan, noch nicht mal einen Bruce Springsteen. Gibt’s denn bei uns wirklich keine guten alten Männer? Schnell, wer fällt Euch da ein? Muss ja kein Popstar sein … den Gauck hielt ich mal für eine Option, der hat allerdings inzwischen viel Schmarrn geredet. Gut, wir haben immerhin noch den Raucher. (Und Rauchen ist, wie jeder weiß, in gewissen Zusammenhängen – und gerade im Fernsehen – sogar eine künstlerische Handlung, ganz gleich, wie oft sich die Anti-Raucher-Nazis darüber beschweren.) Aber vor allem haben wir den ganz großartigen Alexander Kluge. Der ist ein echter Popstar, auf seine Weise.



180. Von den Isländern lernen II

Obwohl ein YouTube-Kommentator sagt: „I am icelandic and live in Iceland and i want to tell everyone that this is not true, a certain type of loans and their terms was corrected through the justice system but the public is basicly stillstruggling with the money fascists and secret societys. But not for long ;)“, klingt es doch wie ein Schritt in die richtige Richtung. (Siehe auch Beitrag 125):



178. Keine Macht den Doofen. Über Stümper in der Politik

Natürlich gibt es im deutschen Fernsehen auch mal Premium-Content, bitte sehr:

Nachtstudio mit Volker Panzer

Michael Schmidt-Salomon („Keine Macht den Doofen“), Thomas Rietzschel („Die Stunde der Dilettanten: Wie wir uns verschaukeln lassen“) und Uwe Wirth („Dilettantismus als Beruf“ unterhielten sich zu später Stunde darüber, wie’s die postdemokratischen Polit-Darsteller verkacken. Würde es zuhören, unserem politischen Personal klängen die Ohren. Leider hat es genug damit zu tun, sich um die Macht zu balgen.



155. Als es für Deutschland noch Hoffnung gab

Wie ehrlich können Memoiren sein? Gerade habe ich welche gelesen, die mir zumindest die 1960er-Jahre ff. und den Deutschen Herbst erklären, eine Zeit, in der ich die entscheidenden Jahre zu jung war, um sie wirklich zu verstehen: Die Zwillinge oder Vom Versuch, Geist und Geld zu küssen. Zwei Schwestern aus der Provinz, die Bob Dylan, den Kommunismus und Rainer Langhans toll und ihrem Weg aus dem miefigen Kassel in die weite Welt fanden – wen soll das interessieren, fragen Sie? Oh, bei den Schwestern handelt es sich um Gisela Getty und Jutta Winkelmann (genau: die Zwillinge, die jetzt, als freundliche ältere Damen, wieder oder immer noch um jenen notorischen Kommunarden kreisen, der kurzfristig zur Ikone der Schuhwerbung auf- und zwischendurch ins Dschungelcamp abgestiegen war). Diese Langhans’sche Kurve scheint mir bezeichnend. Denn wie die Zwillinge sich und ihre Zeit erlebt haben, spricht – vom Co-Autor Jamal Tuschik („Aufbrechende Paare“) einfühlsam in Form gebracht – von der Hoffnung auf ein anderes Deutschland, eine andere Art zu leben, zu lieben und zu arbeiten. Selten habe ich diese Hoffnung so unzynisch, so unverblümt, mit so wenig theoretischem Über- oder Unterbau, so vorpsychologisch, so w e i b l i c h erzählt bekommen. (Jaja, ich höre das Aufheulen meiner feministischen Freundinnen bis hierher.) Und was, bitte, ist aus dieser verträumt antikapitalistischen Blumenkinder-Summer of Love-cum-Frauenbefreiung (vulgo: mehr oder weniger besinnungsloses Herumvögeln) -Hoffnung nun geworden? In der aktuellen ZEIT seufzt Ursula März auf Seite 49 erschöpft: „Lasst mich in Ruhe! – Warum ich die ständigen Debatten über die gesellschaftliche Rolle der Frau nicht länger ertrage“. Vielleicht hatte März ein ähnliches – weibliches – Lebensgefühl vor Augen wie jenes, das die Zwillinge in ihren unverkopften (manche würden sagen: arg naiven) Memoiren in die Gegenwart transportieren, so ehrlich sie’s eben können. Nach dieser Lektüre möchte ich mich sofort dem Vorschlag der Ursula März am Ende ihres ZEIT-Artikels anschließen: „ein Redemoratorium von, sagen wir, zwei Jahren. Mal zwei Jahre lang kein Gerede über Frauenrollen und Frauenleben. Zwei Jahre nichts als Ruhe und zur Ruhe kommen. Der Vorstandsvorsitz der deutschen Bank und die Herausgeberschaft der FAZ laufen uns dabei nicht weg.“ Ach: versuchen wir tasächlich immer noch, Geist und Geld zu küssen? Anscheinend ja, allerdings macht das Leben in Deutschland, so wie es heute ist, (nicht nur) Frauen zu gehetzten, überforderten, aggressiven Wesen, denen nur die milde Reminiszenz des TV-Werbespots eine Ahnung vermittelt vom Sich-treiben-lassen, von der Sehnsucht nach Aufbruch…




151. Das deutsche Volk liebt seine Royals

Muss man auch irgendwie verstehen: „Windsor“ ist ein Phantasiename, von den Briten eingeführt, um zu verschleiern, dass ihre Majestäten Deutsche sind (erkennbar an den hässlichen Prinzessinnen, wie ein Kollege dieser Tage süffisant äußerte). Aus gegebenem Anlass hier der Beitrag aus dem Lexikon der deutschen (und wenn wir schon dabei sind, überhaupt)  Ärgernisse zum Thema

Ehe

Niemand sollte sich lustig machen über diesen wundervollen Traum von der gelingenden Paarbeziehung, die vom Staat auch noch steuerlich begünstigt wird. Gerade eben fuhren wieder welche vorbei: hupende Autos in Kolonnenformation, der erste Wagen blumengeschmückt. Und während ich freundlich winke und lächle, lästert ein zynischer Zwerg namens Waldo, der leider Teil meiner Persönlichkeit ist: Ihr Armen! Man liebt sich und/oder möchte zu zweit wenigstens ein angenehmeres Leben führen. Wenn dann irgendwann die Liebe weg ist und das Leben fast noch unangenehmer, als wenn man allein wäre, fragt man sich schon, was man da gefeiert hat, seinerzeit, mit Hupkorso und Blumengesteck auf der Kühlerhaube.




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