365 x Deutschland


119. Wir lieben es

© Sally Davies

Wir Deutschen machen ja seit den späten 1960-er Jahren eifrig mit bei der McDonaldisierung der Welt, und das Dreckfress-Konzept scheint – „Bio“ hin, Massientierquälhaltung her – nach wie vor aufzugehen: Immer wenn ich ins Kino will, muss ich mich vor einem dieser Ketten“restaurants“ an veritablen Pulks von Jugendlichen vorbeidrängeln, die dort Futter fassen. Schade, dass sie nicht lesen. Zum Beispiel Konsumpfs Blog. Hier berichtete er vor einiger Zeit über das McDonald’s Happy Meal Project“ der Amerikanerin Sally Davies, die nachweist, dass das Zeug praktisch unkaputtbar ist. Es kann 180 Tage im Fußraum deines Autos oder auf deinem Küchentisch liegen bleiben: Keine Maden, kein Zerfall, nur ein acrylartiger Überzug. Natürliche Zutaten, hehe.

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113. Internationaler Tag des Friedens, oder: Seid lieb zu Tieren II

Tiere haben keine Gefühle? Soso. Wer jemals gesehen hat, wie etwa der Hund einen anschaut, wenn man nach Schlüssel und Tasche greift und Anstalten macht, das Haus zu verlassen, OHNE IHN, der hat eine anschauliche Erklärung von „vorwurfsvoll“, falls er oder sie zufällig mal eine braucht. Oder die „dumme Kuh“ – eine Invektive, die ich durchaus schon verwendet habe: Hornvieh ist tatsächlich nur in dem Sinn dumm, dass es sich vertrauensvoll mit Schnellmastfutter versorgen und anschließend zur Tötungsmaschinerie führen lässt… So warte ich jetzt mit Grauen darauf, dass meine Freundin Jonathan Safran Foers Buch Fleisch essen gelesen hat und mir leiht. Natürlich habe ich keine Lust, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hat kaum jemand. Aber ich habe auch immer weniger Lust, die unter grässlichen Bedingungen produzierte Ware der Fleischlieferanten zu verspeisen. Für heute hat die UN den „Tag des Friedens“ ausgerufen. Die meisten werden es ausgesprochen weibisch finden, wenn eine sich einbildet, durch fleischlose Kost zum Weltfrieden beizutragen. Hehe, oder? Aber was, wenn es einmal viele sein werden? Und kommt mir jetzt nicht mit all den arbeitslosen Schlachtern.



34. Im Trend: Freundlich keulen. Oder: Seid lieb zu Tieren. Auch wenn Ihr sie nachher verspeist.

Ein angesagter Bar/Café/Restaurant-Hybrid in München. Meine Freundinnen lesen mir die Speisekarte vor; weil ich meine Brille vergessen habe, kann ich nur die groß gedruckte Überschrift „Mitgefühl“ auf der ersten Seite entziffern. „Hä?“, frage ich, darauf deutend. Franka überfliegt den Text rasch und erklärt, dass dieser Laden anscheinend Wert darauf legt, nur biologisch korrektes Fleisch von liebevoll um die Ecke gebrachtem Viechern für seine Gerichte auf den Tisch zu bringen. Ach so, sage ich und bestelle Pute, hoffentlich ohne Hormone. Später an diesem Abend sehe ich dann auf arte eine Dokumentation darüber, wie Monsanto Tiere und Menschen in Südamerika krank macht, um das Sojazeugs herzustellen, mit dem unsere ökologisch unbenklichen Fleischlieferanten gefüttert werden. „Es gibt eben kein wahres Leben im falschen“, denke ich. Und mir fällt wieder dieses Brecht-Gedicht ein:

O FALLADAH, DIE DU HANGEST!

Ich zog meine Fuhre trotz meiner Schwäche

Ich kam bis zur Frankfurter Allee.

Dort denke ich noch: O je!

Diese Schwächer! Wenn ich mich gehenlasse

Kann’s mir passieren, daß ich zusammenbreche.

Zehn Minuten später lagen nur noch meine Knochen auf der Straße.

Kaum war ich nämlich zusammengebrochen

(Der Kutscher lief zum Telefon)

Da stürzten sich aus den Häusern schon

Hungrige Menschen, um ein Pfund Fleisch zu erben

Rissen mit Messern mir das Fleisch von den Knochen

Und ich lebte überhaupt noch und war gar nicht fertig mit dem Sterben.

Aber die kannte ich doch von früher, die Leute!

Die brachten mir Säcke gegen die Fliegen doch

Schenkten mir altes Brot und ermahnten noch

Meinen Kutscher, sanft mit mir umzugehen.

Einst so freundlich und mir so feindlich heute!

Plötzlich waren sie wie ausgewechselt! Ach, was war mit ihnen geschehen?

Da fragte ich mich: was für eine Kälte

Muß über die Leute gekommen sein!

Wer schlägt da so auf sie ein

Daß sie jetzt so durch und durch erkaltet?

So helfet ihnen doch! Und tut es in Bälde!

Sonst passiert euch etwas, was ihr nicht für möglich haltet!

Lesen Sie dazu der aktuellen GAZETTE den Artikel von Bernhard Kathan: Der Weg allen Fleisches.



11. Von den Amis lernen
15. November 2009, 00:26
Filed under: Deine Tiere, Deutschland, Was fehlt uns denn? | Schlagwörter: , , ,

Tierschutz mal anders: Sind diese Jungs nicht hinreißend? In Deutschland ist das Retten-von-armen-Viechern-und-neue-Halter-für-sie-finden fest in Frauenhand. Die Vorsitzenden der meisten Verbände sind allerdings Männer, warum sollte das hier anders sein als in allen übrigen gesellschaftlichen Bereichen. Man kann natürlich bei vielen militanten Tierschützern, unabhängig vom Geschlecht, ganz vortrefflich die verschiedensten – menschlichen – Persönlichkeitsstörungen studieren, vom zwanghaften Wichtigtuer bis zum Borderline-Vereinsmeier.  Komischerweise  sind dagegen die meisten Vegetarier depressiv. Wär doch mal ein hübsches Thema für eine Dissertation. Wer an weiterführender Lektüre zum Thema Haustiere – Nutztiere interessiert ist:  Wir haben sie halt zum Fressen gern!




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