365 x Deutschland


203. „Einige Deiner Besucher werden hier von Zeit zu Zeit eine Anzeige sehen.“

Das teilt mir WordPress mit mit dürren Worten mit. Und das ist der Nerv mit „kostenlosen“ Hosts. Genau wie ich bei Telekom oder Vodafone zahlen soll, wenn ich eine gedruckte Rechnung bekommen will, soll ich bei WordPress zahlen, wenn ich keine Anzeigen will. Denke gar nicht daran. Überseht die Anzeigen bitte einfach. Oder meldet sie, wenn sie eklig, frauenfeindlich oder einfach nur blöd sind. Danke.



81. Kinder, wie die Zeit vergeht
15. April 2010, 14:26
Filed under: Deutschland, Medien, Wirtschaft & Wahnsinn | Schlagwörter: , , , ,

Jetzt hat die Nachricht auch bei der Münchner Abendzeitung eingeschlagen: Joschka Fischer arbeitet für Madeleine Albrights Beraterfirma, die für BMW gutes Wetter machen soll, also „gut“ im Sinn von „grün“. Joschka. Grün. Alles klar? (Dass die Meldung vom letzten September ist, stört in einer Tageszeitung nur bedingt.)



71. Frauen in Deutschland III
17. März 2010, 10:17
Filed under: Deutschland, FrauenFragen, Politik, Wirtschaft & Wahnsinn | Schlagwörter: , ,

Nachtrag zum Welt-Frauentag, mit Dank an 11k2:

Rührt euch!

Oh, Gaggenau!

Gut, das hier ist eine „Miss Switzerland“. Wollen wir mal alle beim Hersteller nachfragen, ob eine so selten dämliche Anzeige wirklich den erwünschten Effekt auf Single-Männer mit Hang zu hochpreisigen Küchengerät hat? Doch nun zu etwas ganz anderem… Dr. Joachim Jahnke (lesen Sie unbedingt seinen „Vorschlag für eine Ansprache des Bundespräsidenten zum nächsten Neuen Jahr“ auf S. 95 in der aktuellen GAZETTE!) war u. a. Ministerialdirigent im BMWi und Vizepräsident der europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, ist also ein Mann, der Statistiken versteht und uns verständlich erklären kann. Genau das tut er in seinem Informationsportal Deutschland & Globalisierung, das – inklusive seiner ungewöhnlich hochklassigen Diskussionsthreads – wirklich sehr empfehlenswert ist. Und was er hier über die Diskriminierung der Frauen in Deutschland  zusammengestellt hat, lässt irgendwie so gar nicht hoffen.



58. Banken: Späte Einsicht
18. Februar 2010, 08:59
Filed under: Deutschland, Was fehlt uns denn?, Werbung, Wirtschaft & Wahnsinn | Schlagwörter: , ,

Also sprach Ben Tellings, Chef der Direktbank ING-Diba, der ab 2011 „nur noch“ Aufsichtsratsvorsitzender seines Instituts sein will, im Spiegel (7/2010, S. 73):

Tellings: (…) Die meisten Menschen wollen und brauchen doch auch viel simplere Produkte.

Spiegel: Zum Beispiel?

Tellings: Ein Girokonto, ein Sparbuch und vielleicht noch einen Konsumenten- oder Immobilienkredit. Eigentlich sind wir Banker doch Treuhänder des Vermögens unserer Kunden.“ (Hervorhebungen von mir.)

Echt jetzt? Hab ich irgendwo schon mal gelesen. Ach was, ich hab es selbst geschrieben: im Eintrag Nr. 32. Und ich war nicht 25 Jahre „im Bankgewerbe aktiv“ wie Herr Tellings. Sowas. In Fernsehspots wirbt übrigens eine neue Direktbank (wahrscheinlich eine Tochter eines der üblichen Über-denTisch-Zieher-Institute) jetzt mit genau diesen drei „Produkten“. Wenn ich das schon höre: Produkte. Das muss man den Anzugtypen mal e r k l ä r e n: dass sie nichts herstellen. (Außer wertloses Geld.) Und was wäre denn so ehrenrührig daran, einfach nur Dienstleister zu heißen?



51. Vertrau mir! Oder: Es geht ein Ruck durch die Bussi-Gesellschaft

Eine Dame ruft an, stellt sich als Mitarbeiterin meiner Bank vor und hat einen neuen Vertriebler-Spruch. Nicht „Schön, dass ich Sie erreiche!“ sagt sie diesmal, sondern „Heute möchte ich Ihnen etwas schenken!“, was ja total süß klingt. Ich (innerlich gröl, schenkelklopf): „Aha?“ Jahaa, sie wolle nämlich meine Kontokosten von monatlich € 5,50 (wusste gar nicht, dass ich die zahle – dachte doch, ich wäre zu dieser Bank gegangen, weil die ein 0 €-Girokonto angeboten hatte) auf € 3,50 reduzieren, ich müsste nur den neuen Vertrag unterschreiben, den sie mir gern zusenden würde. „Das schau ich mir mal an“, sage ich freundlich, „man spart ja, wo man kann“. Paar Tage später kommen die Papiere mit der Post. Was da vor mir liegt, verbrämt mit allerlei unsinnigen Gadgets, die ich allesamt nicht brauche, scheint eine simple Änderungskündigung zu sein. Ohne die genauen Konditionen ist dieser „Vertrag“ eine Ansammlung von Worthülsen, die mir alles Mögliche versprechen… Ich könnte das Kleingedruckte jetzt anfordern und durchackern, habe aber keine Lust dazu, denn ich kann mir auch so vorstellen, dass der neue Vertrag für mich nicht günstiger sein wird als der alte. Wieso sollte er auch. Wir schreiben 2010, Mädchen, möchte ich der Vertriebs-Mitarbeiterin zurufen. Sogar das dämlichste Bankkunden-Pack liest inzwischen Zeitung, und wenn „meine Bank“ mir etwas Gutes tun möchte, könnte sie zum Beispiel damit anfangen, die niedrigen Soll-Zinsen an mich weiterzugeben… Kurz: Wenn ich etwas geschenkt kriegen will, werde ich nicht unbedingt einen Vertrag mit einer Bank unterzeichnen. „Ich habe meiner Bank vertraut“, haben all die Lehman-Omis gejammert, als ihre „todsicheren“ Anlagen futsch waren. Genau wie die Häuslebauer, als das Häusle weg war, weil „ihre“ Bank ihren Kreditvertrag an eine andere Bank verkauft hatte – und die plötzlich die ganze Summe sehen wollte, aber pronto. Tja, die Zeiten, in denen man wenigstens „seiner“ Bank vertrauen konnte, sind irgendwie vorbei. Betrüblich, wenn das „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“-Geschäftsgebaren hier im schönen Deutschland so ubiquitär und normal wird, dass nur die echt Paranoiden nicht ständig Gefahr laufen, über den Tisch gezogen zu werden. Unangenehmes Lebensgefühl. Also zumindest für Kleinvieh wie uns. Millionäre haben selbstverständlich ein anderes Vertrauensverhältnis zu ihrem Geldinstitut. Die Steuerhinterzieher unter ihnen können zum Beispiel eine Liechtensteiner Bank verklagen, die sie nicht rechtzeitig gewarnt hat, dass ihr Name auf einer Steuerflüchtlings-CD auftaucht. Und bekommen Recht, weil: So viel Kundenfreundlichkeit muss schon sein. Aber erstmal geht ein ordentlicher Ruck durch die Bussi-Bussi-Gesellschaft – es hagelt Selbstanzeigen.



39. Ambient Marketing, oder: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit albern

Ich beneide religiöse Menschen um ihren Glauben und ärgere mich gleichzeitig darüber. Untersuchungen haben ergeben, dass ihre Chancen zum Glücklichsein besser stehen als die jener, die ausschließlich säkularen Glaubenssätzen anhängen. In jedem Leben gibt es Trauer, Leid und Enttäuschung, und all das nimmt man viel leichter hin, wenn man an ein nächstes Leben glaubt, das einen für die Unvollkommenheiten und Ungerechtigkeiten in diesem entschädigt; auch der Vorgang des Sterbens ist dadurch ein weitaus weniger deprimierender Ausblick. Deshalb beneide ich religiös Gläubige. Natürlich gibt es keine gesicherten Grundlagen für ihren Glauben, aber darauf darf man nicht hinweisen, ohne für unhöflich, aggressiv und respektlos gehalten zu werden und sich den Vorwurf einzuhandeln, man neide ihnen ihr Recht auf Glück“, schreibt David Lodge in „Wie bitte?“ (Blessing, dt. von Renate Orth-Guttmann).

Entspann dichNachdem der Dawkins-Boom in den Medien abgeflaut ist, vermisse ich diesen albernen Streit doch ein wenig. Wie war das ulkig, als die Fundamentalisten der einen wie der anderen Seite mit ihren Werbe-Bussen ganz ernsthaft gegeneinander ins Gefecht zogen, und sich die Leute tatsächlich darüber aufregten. (Das war vor der Kirchenaustritts-Welle nach den aufgedeckten Missbrauchsfällen. Ab da wurde die Erregung verständlicherweise bissl unlustig.) Ich fand den modischen „Glaubenskrieg“ in Form von Ambient Marketing viel amüsanter. Die netteste Variante des Mottos der „säkularen Humanisten“ (kann man eigentlich Religionen „verteufeln“? Interessante sprachwissenschaftliche Überlegung) entdeckte ich seinerzeit hier: „Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein tschechischer Schlagersänger. Entspann dich, er wird dir nichts tun“.




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