365 x Deutschland


201. Tschüss, Grundrechte. War schön mit euch.

Es war ein langer heißer Sommer, und eigentlich habe ich die Lust auf Meinungen verloren, vor allem auf meine eigene. Aber weil es viele Leute immer noch nicht kapiert haben, hier zumindest ein bisschen Information:



195. Meinungsfreiheit im Netz? Ach nö, wozu denn!
  • Heute will ich einfach nur fefe zitieren, wie er Heise zitiert:  Tunesien hat auf der ITU-Konferenz, auf der sie die Kontrolle des Internets übernehmen wollen, für einen Eklat gesorgt. Und zwar hat Tunesien vorgeschlagen, ein Bekenntnis zu Kommunikationsgrundrechten in die Neufassung des ITR-Vertrags aufzunehmen. Tunesien!! Nicht etwa Deutschland? Nein, Tunesien musste das vorschlagen. Das alleine ist ja schon peinlich genug.Aber noch peinlicher ist, wie es weiterging. Die USA und die EU waren explizit dagegen. Wisst ihr, wer dafür war? Die Liste ist kurz:

    Am Ende unterstützten nur die Delegationen der Schweiz und Polen den tunesischen Vorschlag.

    Eine Schande sondergleichen für unser Land. Wir müssen endlich Schwarz-Geld und ihre Honecker-Erbin loswerden, der von denen angerichtete Flurschaden ist jetzt schon kaum mehr reparabel.



171. Nachruf auf eine deutsche Radio-Sendung

Seine Stimme begleitete mich seit meiner Kindheit – aber ich hatte bis heute noch nie ein Foto von ihm gesehen. Hier sind viele. Und jetzt ist die „Sonntagsbeilage“ weg – die Sendung, die mir Michael Skasa zum Inbegriff des spitzfindigen Radio-Feuilletonisten werden ließ: Die Sonntagsbeilage in Byern 2. Unangepasst und profund gebildet, hochmusikalisch, frech und professionell. Mei, schad. Alles Gute zum 70., Herr Skasa. And may you stay forever young.

Michael Skasa



170. Das höchste Amt II, oder: Doch mehr als eine Provinzposse?

Jay Rosens pressthink denkt hier über den Geist der Demokratie in der Medienmaschine nach. Und aktuell über die Stammesrituale der Politik-“Journalisten“/-“Berater“; da verschwimmt ja mittlerweile einiges. (Die Links habe ich übrigens von Jürgen Kalwa, danke sehr.)
Davon abgesehen: Unser Bunzpräsident hat seine neue Rolle – die in etwa der englischen Königin entspricht – leider nicht verstanden, wie im TV-Interview vom 4. 1. 2012 (hier der Wortlaut) schon bissl deutlich wird: „Wenn man als Ministerpräsident keine Freunde mehr haben darf und wenn alle Politikerinnen und Politiker in Deutschland ab sofort nicht mehr bei Freunden übernachten dürfen, sondern, wenn Sie bei den Freunden im Gästezimmer übernachten, nach einer Rechnung verlangen müssen, dann verändert sich die Republik zum Negativen. Davon bin ich fest überzeugt. Und deswegen stehe ich zu diesen sechs Urlauben bei Freunden auf Norderney oder fünf, sechs Tage dort in Italien oder sieben Tage bei Freunden, mit den Freunden zusammen zu kochen, zu frühstücken, im Gästezimmer zu schlafen. Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen.“ Herzchen, die Queen kann auch nicht bei einen x-beliebigen Unternehmer übernachten. Und falls sie’s tut, darf sie sich nicht dabei erwischen lassen. Auf jeden Fall sollte es tunlichst nicht im britischen Äquivalent der BLÖD-Zeitung stehen. So hirnverbrannt wäre Lizzie nie gewesen, auf Murdochs AB zu schimpfen und ihm die Freundschaft zu kündigen. Aber sie ist ja auch auf ihr Amt hin erzogen worden… doch selbst eine prima Erziehung scheint in Deutschland nix zu helfen, wenn man sich mal KT „ich komme wieder, keine Frage“ Guttenbergs Medienstrategie anschaut. So gesehen wirft das Verhalten unserer „Staatsdiener“ in der Tat Fragen auf, die über das Abhaken unter „Provinzposse“ hinausgehen.

Siehe auch 168. Das höchste Amt



169. Trotzdem schönen Wüstenrot-Tag!

Hatte wieder einen hohen Bäh-Faktor, dieses zur Neige gehende Jahr. Guttenberg. Bunga-Bunga. Wiege der Demokratie. 1 Prozent gegen die übrigen 99 Prozent. Gescheiterte Gipfel. Pressefreiheit „ungarischer Stil“. Hedgefonds. Wasserwerfer Marke Stuttgart 21. „Pro Christ“ian Wulff. Maschmeyer (inkl. Vroni „Yikes“ Ferres). Der Irre von Oslo. Euro-Rettungsschirm-Hebel. Hunger in Afrika, und nicht zu knapp. Kriegsähnliche Zustände, immer noch. Rechts-Terrorismus; Zeit wurd’s, dass auch die „breite Öffentlichkeit“ das Ausländer-Klatschen beim korrekten Namen nennt. (Was die Blindheit unserer Verfassungsorgane auf dem braunen Auge – und ihre Hysterie, wenn es um „linkes“ Gedankengut – angeht: Das Wort „Gentrifizierung“ steht mittlerweile in der Münchner Abendzeitung, ohne dass ein rote Flagge aufleuchtet, während man 2011 manchen Leuten immer noch den Fall Andrej Holm erklären musste.) Pfui Geier. À propos: Die Labor-Vogelgrippe kommt. Und Kernkraft ist und bleibt ein Spiel mit dem Tod. Eurem und dem Eurer Kinder, Ihr verbrecherischen Energiefürsten von Tepco, E.On & Co., übrigens genauso, auch wenn das das nicht in Eure Spatzenhirne geht. Sonst was Neues? Siehe Eintrag 31: Lieblingswörter des letzten Jahres. Tschä. Hat sich nicht so furchtbar viel geändert.

Für weitere zielführende Informationen schlagen Sie bitte bei Dr. Vogl nach.



162. Charlotte Roche, oder: Was ich an Deutschland mag II

Normalerweise widerspreche ich dem hochgeschätzten Feuilletonchef der AZ nicht – im Fall Charlotte Roche muss es leider sein. Volker Isfort hatte das Spiegel-Gespräch mit der Skandal-Autorin („Feuchtgebiete“) zu ihrem neuen Buch gelesen und befürchtete nun weniger Tabu- als Ermüdungsbrüche. Ich fand das Interview nicht ermüdend, sondern eher ziemlich aufregend. Da sagt mal eine, was Sache ist. Vor lauter Angst, für antifemininstisch gehalten zu werden, traut sich doch sonst kaum jemand, auch nur den Verdacht zu äußern, dass Frauen ihre (Hetero-)Beziehungen scheinbar mutwillig hintertreiben – eine Beobachtung, die in der Praxis gar nicht so selten zu machen ist… Roche hatte allerdings schon gute Ansätze gezeigt, als sie noch FastForward für MTV (oder war’s Viva? Oder VH1?) moderierte, und man konnte sich vorstellen: Wenn die mal erwachsen ist, das wird ein Knaller. Jetzt ist Roche erwachsen, und Alice Schwarzer schreibt ihr einen Brief. Natürlich ehren wir Alice Schwarzer für ihr Lebenswerk, auch wenn sie zuletzt ihre Seele an die BLÖD-Zeitung verkauft hat. Eine demente Oma würden wir ja auch nicht ins Heim stecken, nur weil sie seit ein paar Jahren Unsinn redet. Nein, sie darf bei uns am Tisch sitzen und brabbeln, aber als Vorbild hat sie ausgedient. Neue Leitfigur könnte eine wie Roche werden. Verrückt wie ein Märzhase, das schon – aber wer von uns hätte selbst nicht leicht einen an der Klatsche (außer dir, Mami, klar, und jetzt halt die Klappe)? Authentizität ist die Devise. Die Auflehnung gegen das Frauenbild der „Frauen“zeitschriften, geschenkt – wir brauchen einen echten Gegenentwurf. Muss ja nicht gleich so hysterisch daherkommen wie in „Schoßgebete“. Aber eines steht fest: Durchgeknallt ist das neue Normal. „Frauen – das verrückte Geschlecht“: Erinnert sich wer an die Thesen von Phyllis Chesler? Nein? Egal – wir mit Krankheitsfantasien („die spinnt doch“) marginalisierten und mit der passiv-aggressiven Mutmaßung endloser Muster-Wiederholungs-Schleifen („mach nicht den gleichen Fehler wie ich, Kind“) eingeschüchterten Frauen müssen uns aus der Opferecke heraus bemühen und zu unsere Neurosen stehen. Das kann Roche doch schon richtig gut.

Und hier noch die passende Illustration…

Miss Birdsong: They Wore Their Mother´s Bones Like Scarlet Letters (via flickr), gefunden bei Frank T. Zumbachs Mysterious World



159. Nachtrag zu Nr. 151

Update: Leander Wattig machte unlängst auf diesen Beitrag in der Welt aufmerksam: Unsere Verwandtschaft mit den Engländern ist ja nicht nur auf den Adel beschränkt.




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