365 x Deutschland


192. Wofür sie unser Geld ausgeben

Tragischerweise leide ich unter einer Art intellktuellem Masochismus und gebe mir morgens, was der junge Herr von Leitner tags zuvor so alles ausgegraben hat über den deutschen (und gern auch internationalen) Polit-Alltag. Bitte sehr:

„T-Systems hat verhindert, dass wir einen guten Trojaner kriegen. Nein, wirklich! Woher ich das weiß? Die Antwort der Bundesregierung auf die „Kleine Anfrage“ der Linken zum Staatstrojaner ist da. Die ersten Fragen gehen gleich darum, an welche externen Dienstleister die Bundespolizei eigentlich wieviel Geld gezahlt hat. Seite 3. Größter Posten dabei: 249.259 Euro an T-Systems für „Softwareentwicklung bzw. -anpassung“, Projekt Passagierdatenbank. Das ist bei Gesamtausgaben von rund 800K über ein Viertel des Geldes! T-Systems hat auch beim Projekt Telekommunikationsüberwachung „mitgeholfen“ und dafür 68.867 Euro für „Projektcontrolling“ kassiert. Jeder Euro, den T-Systems aus dem Etat vampirisiert, steht später nicht für die Herstellung ordentlicher Trojaner zur Verfügung. In diesem Sinne: Vielen Dank, T-Systems!…“ Wollen Sie mehr wissen? Besuchen Sie fefe.

PS: Hier ist das PDF, von dem er möchte, dass wir alle ein Backup ziehen, bevor es „zufällig“ in irgendwelchen Schreddern verschwindet wie, sagen wir mal, Herrn Mappus Festplatte.

Anfrage

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187. Vom jordanischen Fernsehen lernen

Das ist doch gleich viel munterer als unser Plasberg-,Will-etc.-Einheits-Talk-Karussell:

Via HuffPo – Israelis haben das Gezänk übersetzt – anscheinend ging es um Jordaniens Haltung gegenüber Syrien.



161. Von den Israelis lernen

Nun haben Mittelmeer-Anrainer definitiv etwas, das uns hierzulande fehlt: Sommer. Da ist es natürlich einfach, auf dem Boulevard Rothschild zu Tel Aviv Zelte aufzuschlagen und nächtelang Party zu machen, um auf steigende Mieten und Lebenshaltungskosten aufmerksam zu machen. Der Münchner Marienplatz eignet sich halt nur bedingt für so eine Aktion, schon weil der so winzig ist. Und öffentliche Verkehrsmittel so teuer, dass man es sich kaum noch leisten kann, hinzufahren. Das Häuflein Demonstranten würde von bayrischen Polizisten ohnehin mit einem einzigen Wasserwerferstrahl hinfortgefegt. Also schlage ich den Berliner „Mauerpark“ vor, diese von Spekulanten bedrohte Brache, auf der jetzt schon viel gefeiert wird. Nur müssten wir unsere Proteste rasch beginnen, denn schon droht der deutsche Herbst; da kann man einfach niemand das Zelten zumuten. Kennt wer Leute mit Wohnwägen? Hätte den zusätzlichen Vorteil, dass die Dinger von den Autobahnen runter wären.



152. Volksverblödung (2008)
5. Mai 2011, 08:23
Filed under: Deppenschelte, Deutschland, Erziehung, Medien, Politik | Schlagwörter: , , , , ,

Nicht dass sich etwas geändert hätte (dieses schöne Schramm-Tirade hat Thomas Kletschke gefunden und dankenswerterweise über Fazzebukk verbreitet).

https://www.youtube.com/watch?v=RkNddCXSLvM&feature=player_embedded



142. Zivilcourage

Leg dich nicht mit den Anthroposophen an, Kind!“, sprach warnend eine Dame aus unserem Bekanntenkreis, nachdem ich mich an anderer Stelle über Waldorf-Kindergärten lustig gemacht hatte. „Und?“, fragte ich sie, „Was würde mir geschehen?“ (Die Dame ist über 80 und wäre schon vom Typ her – schwärmerisch, schöngeistig – wohl eher nicht der „Weißen Rose“ beigetreten, auch wenn sie das passende Alter gehabt hätte.) Während ich mir noch vorstelle, wie ein paar esoterische Betschwestern beiderlei Geschlechts, Rudolf Steiner-Gesamtausgaben schwingend, hinter mir her sind, komme ich ins Grübeln über uns Deutsche und die Zivilcourage. Dem weltbekannten Scientologen Tom Cruise verliehen wir ein Bambi für welche „Courage“ auch immer – wobei wirklich couragiert wohl eher die sind, die aus diesem Verein austreten und öffentlich davon erzählen. Margot Käßmann lehnte einen Preis für Zivilcourage ab, weil die Jury ihren Rücktritt dazugezählt hatte. In absehbarer Zeit wird man den Dr. plag. zu seiner Rückgabe des Titels beglückwünschen: schneidig! Bravo, gut gemacht! Irgend etwas stimmt nicht mit dem Begriff, wenn das zögerliche Zugeben von offensichtlichen Fehlern oder der rechtzeitige Rücktritt von einem Amt schon als couragiert gelten. Jungejunge, sähen die Ränge zerzaust aus, wenn jeder mediales Seppuku betriebe, der beim Schummeln, Mauscheln, Übern-Tisch-ziehen erwischt wurde. Zivilcourage bedeutet doch eigentlich, dort einzugreifen, wo Unrecht geschieht (der Fall Brunner), sich gegen Tyrannen zu erheben (Iran, Tunesien, Ägypten, Myanmar) oder den örtlichen Neonazis die Stirn zu bieten (Leipzig). Ich bin mir übrigens gar nicht sicher, ob ich bei der „Weißen Rose“ mitgemacht hätte – obwohl ich vom Typ her eher eine bin, die gern die Schnauze aufreißt (solange es nichts kostet – das ist das Schöne an einer Gesellschaft mit Meinungsfreiheit). Aber wenn wir jetzt medial mitverfolgen können, wie Libyer gnadenlos zusammengeschossen werden, weil sie gegen irre Herrscher aufbegehren (und die EU still hält, weil sie sich vor Flüchtlingen und schlecht gehenden Geschäften fürchtet), liegen zwei Fragen nahe: Könnte es sein, dass dereinst auch bei uns bequeme Menschen mit hoher Ungerechtigkeits-Toleranz (also Feiglinge wie dich und mich) der Mut der Verzweiflung packt? Und: Was würde uns geschehen?



140. Heute wäre Thomas Bernhard 80 geworden

Jede Epoche ist eine entsetzliche

hat euer Großvater immer gesagt

aber das merkt man erst wenn man alt ist

Wie mich vor allem hier ekelt

ich spreche ja nicht davon

aber ich denke die ganze Zeit

wie mich vor allem ekelt

der Staat eine Kloake stinkend und tödlich

die Kirche eine weltweite Niedertracht

die Menschen um einen herum

abgrundtief häßlich und stumpfsinnig

der Bundespräsident ein verschlagener verlogener Banause

und alles in allem deprimierender Charakter

der Kanzler ein pfiffiger Staatsverschacherer

der Papst gibt in seinen Gemächern

ein sogenanntes warmes Essen für Obdachlose

und läßt diese Tatsache weltweit verbreiten

eine zynische Welt

die ganze Welt ist ein einziger Zynismus

größenwahnsinnige Schauspieler

mißbrauchen die Sahelzone

perverse Caritasdirektoren

reisen mit dem Flugzeug erster Klasse nach Eritrea

und lassen sich für die Weltpresse

mit den Verhungerten fotografieren

Professor Robert“ in Heldenplatz, Suhrkamp, 1988



138. Von Nordafrika lernen

Oh, und endlich verstehe ich auch den Italien-Fimmel der Deutschen. Christoph Süß (in quer vom 3. 2. 2011) und die aktuelle Orientalismus-Ausstellung in München haben mich darauf gebracht. Italien hat eigenartige religiöse Rituale (Heilige, die blutige Tränen weinen! Exorzismus!), eine große Vergangenheit, keine Demokratie, reizvolle Landschaften voller touristisch nutzbarer Ruinen, viele schöne junge Frauen und einen despotischen Potentaten, der sich einen ganzen Harem davon leisten kann… Mit unserer Sehnsucht nach dem „Land, in dem die Zitronen blühn“, meinen wir eigentlich den Orient, sind aber zu faul, um viel weiter als bis kurz hinter den Garda-See zu fahren. Sollten wir vielleicht öfter tun, mal rüber nach Tunis oder Kairo. Schon um uns daran zu erinnern, dass man auf die Straße gehen, „wir sind das Volk“ skandieren und Machthaber tatsächlich loswerden kann.




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